Allgemeinmediziner demonstrieren: Der Patient heißt Hausarzt

Schwalm-Eder. Die ärztliche Versorgung im Schwalm-Eder-Kreis könnte in einigen Jahren nicht mehr gewährleistet sein. Das sagt Dr. Dieter Conrad, Sprecher der Hausärztlichen Vereinigung Hessen.

„Auf diese Situation wollen wir aufmerksam machen.“ Aus diesem Grund streikten am Mittwoch im Landkreis die meisten Hausärzte und ließen ihre Praxen zu. „Bei dem Streik geht es weder ausschließlich um Geld noch um das Hausarztmodell, das gekippt werden soll“, sagt der Allgemeinmediziner aus Neuental.

„Der Beruf des Landarztes ist unattraktiv wie nie. Wir werden massive Probleme bekommen.“

Aber es werde immer unattraktiver, als junger Arzt aufs Land zu gehen. 24 Prozent aller Hausärzte in Hessen seien über 60 Jahre alt. „Der Beruf des Landarztes ist unattraktiv wie nie. Wir werden massive Probleme bekommen“, sagt Conrad. Die Verdienstmöglichkeiten stünden in keinem Verhältnis zum Aufwand, den Arbeitszeiten und der Verantwortung. Um zehn Prozent sind die Honorare gestiegen, aber nicht einheitlich. „Das können wir für Hessen auch belegen“, sagt Conrad. Maximal 2,5 Prozent hätten die Hausärzte mehr. Zu wenig, um die steigenden Kosten aufzufangen.

Das Hausarztmodell sei deshalb so wichtig, weil es den Allgemeinmedizinern ermögliche, einen Teil des Umsatzes verlässlich zu planen. Außerdem stärke es die Position der Hausärzte, da sie quasi die Tür zum Gesundheitswesen seien.

„Es ist sinnvoller und kostensparender, dass sich Patienten erst mit ihrem Hausarzt besprechen, statt eine Reise durch verschiedene Facharztpraxen anzutreten.“

Dieser Meinung ist auch die Kassenärztliche Vereinigung Hessen. Deren Sprecher Karl Matthias Roth kritisiert das Vorhaben des Gesundheitsministeriums.

In Bundesländern wie Baden-Württemberg und Bayern würden Ärzte eine höhere Fallpauschale (bis zu 85 Euro) für Patienten erhalten. Für Ärzte sei es deutlich lukrativer, sich dort niederzulassen.

Den Ärzten sei eine zehnprozentige Erhöhung der Honorare zugesichert worden, sagt Roth. Diese sei auch geflossen, aber zum Großteil in die neuen Bundesländer. Aber etwa fünf bis sechs Prozent seien auch bei den Hausärzten angekommen.

Beispielrechnung: Eine durchschnittliche Hausarztpraxis mit 850 Patienten. Je Patient gibt es 50 Euro im Quartal, ergibt: 127 500 Euro Umsatz jährlich. Abzüglich 50 Prozent Kosten, ergibt: 63 750. Von diesem Bruttoeinkommen von 63 750 Euro gehen noch Altersvorsorge und Versicherungen ab.

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Quelle: HNA

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