Sie will 2015 schaffen: Patricia Brauner kämpft gegen den Krebs

Kämpft um ihr Leben: Patricia Brauner (24) aus Willingshausen erkrankte vor vier Jahren an Eierstockkrebs. Jetzt hat sie Metastasen in Leber und Milz. Ihre beiden Chihuahuas Tinkerbell und Leopold geben ihr Kraft. Trotz ungünstiger Prognose gibt sie nicht auf. Foto: Grede

Willingshausen. Patricia Brauner hat 2014 überlebt. 2015 will sie auch schaffen. Die 24-jährige ist vor vier Jahren an Eierstockkrebs erkrankt.

Seitdem kämpft sie - seit Oktober in der Gewissheit, nie wieder gesund zu werden. Ihr Körper hat kapituliert. Die Chemotherapie musste eingestellt werden. Jetzt hat der Kampf im Kopf begonnen, sagt sie, denn aufgeben will sie nicht, „angesichts des Wunders, dass ich überhaupt noch hier sitze“.

„Hier“, das ist seit zwei Jahren ein Zwei-Familien-Haus in Willingshausen. Von Biebertal im Landkreis Gießen ist die Familie ins Malerdorf gezogen. Dort lebt die junge Frau mit ihrem Partner Viktor Deines und ihren Eltern. Durch die Wohnung des jungen Paares toben außerdem die beiden Chihuahuas Tinkerbell und Leopold. „Wir wollten unbedingt einen Neuanfang.“ Und der schien zunächst geglückt. Immerhin zwei Jahre nach dem ersten „Peng“ war Patricia Brauner krebsfrei gewesen, dachte sie zumindest.

Wie ein lauter Knall war die erste Diagnose in ihrem Leben explodiert. Denn eigentlich hatte die Zukunft für sie gerade begonnen. Als Bäckereifachverkäuferin hatte sie einen guten Job, mit Freund Viktor war sie erst seit einem Jahr zusammen. Da bemerkte sie eine Verdickung an der linken Bauchseite. „Brauni, du bist unsportlich geworden“, hatten Kolleginnen gescherzt. Zunächst hieß es, nur eine Zyste, aber eine erste Operation brachte die bittere Wahrheit ans Licht.

Eine zweite folgte. 14 Stunden dauerte der Eingriff. Dabei wurden die Gebärmutter samt Eierstöcken, Teile des Darms, der Leber, der Lunge, des Zwerch- und Bauchfells und Lymphknoten entfernt, erzählt Patricia Brauner. Sie bekam einen künstlichen Darmausgang, die Nieren arbeiteten nicht mehr richtig. Ständig musste sie wieder ins Krankenhaus, weil sie die Chemotherapie nicht vertrug. Zehn Monate lang konnte sie sich nur mit dem Rollstuhl fortbewegen. Sie verlor die Haare, muss mit Dauerdurchfall kämpfen.

Ihre Überlebenschance hätte damals bei zehn Prozent gelegen, sagt sie. Fast trotzig klingt es, wenn sie sagt, „aber ich kämpfte mich wieder hoch“. Was sie allerdings damals nicht wusste: Ihre „kleinen Freunde“, so nennt sie ihre Metastasen, hatten schon wieder begonnen, zu wachsen.

So machte es Anfang des Jahres wieder „Peng“. Sie ging mit Schmerzen im Bauch zum Arzt. Das Ergebnis: Metastasen an Leber und Milz. Wieder bekam sie einen künstlichen Darmausgang, eine schonendere Chemotherapie sollte anschlagen.

Das Gegenteil war der Fall: Nach der fünften Behandlung wurde sie künstlich ernährt, landete wieder im Rollstuhl. Die Therapie musste eingestellt werden, weil das Rückenmark nicht mehr mitmachte, sagt sie. Jetzt sollen nur noch Antikörperinfusionen ihr Immunsystem stärken, „um das Ende möglichst lange hinauszuzögern“.

Zwar hat sie inzwischen ihr Testament gemacht und festgelegt, wie ihre Trauerfeier aussehen soll, aufgegeben hat die 24-Jährige allerdings noch lange nicht. Ablenkung ist wichtig, um nicht depressiv zu werden.

Deshalb formuliert sie ihre Gedanken auf ihrer Faccebook-Seite. Bereits 600 Freunde begleiten sie dort auf ihrem schweren Weg. Das ist ein Ventil, sagt sie. „Wenn ich immer hier sitze und heule, freut sich mein Krebs“, versucht sie positiv zu denken. Dabei helfen ihre Familie und ihr Freund Viktor, mit dem sie eigentlich Kinder haben wollte. Er hat sich entschieden, gemeinsam mit ihr zu kämpfen.

Der Wunsch nach einem guten Neuen Jahr bekommt eine ganz besondere Bedeutung: Denn jeder, der sie sieht und erlebt, hofft mit ihr, wenn sie sagt, „mein Ziel ist es, erstmal 30 zu werden.“

Von Sylke Grede

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare