Zwischen Hausen und Hauptstadt: Unterwegs mit Donata Schenck zu Schweinsberg

Patronin ohne Pause

Frau mit dem Rettungsring: „Wir müssen vor Ort sein“, sagt Donata Freifrau Schenck zu Schweinsberg. Die DRK-Vize-Präsidentin versucht mit dem Deutschen Roten Kreuz jenen zu helfen, die allein die Stromschnellen des Lebens nicht meistern können. Fotos: Trebing

Oberaula/Berlin. Schon der braune Umschlag ist ein Kunstwerk. Eine Collage aus Briefmarken, Luftpost-Stempeln und Zollaufklebern erzählt von der langen Reise, die das Päckchen hinter sich hat: Aus einem Gefängnis in Indien hat es eine kleine Galerie im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg erreicht. „Unglaublich“, sagt Donata Freifrau Schenck zu Schweinsberg als sie das verknitterte Papier befühlt. „Das müsste man auch ausstellen.“

Die Vizepräsidentin des Deutschen Roten Kreuzes ist heute eine Patronin – und muss über diesen klangvollen Namen lachen. Die 60-Jährige aus Oberaula-Hausen wirkt viel zu praktisch für solch offizielle Titel. Sie verteilt den Kaffee selbst und scheint eher als Freundin denn als Amtsträgerin in die Galerie gekommen zu sein. Es ist Donnerstagnachmittag, der dritte Tag ihrer Berliner Arbeitswoche.

Bilder von Häftlingen

Seit sie auf einer Tagung die Künstlerin Cornelia Harmel kennen gelernt hat, unterstützt Donata Schenck deren Verein „Art and Prison“ als Schirmherrin. Harmel und der Theologe Peter Echtermeyer sammeln seit 2009 Bilder, die von Häftlingen weltweit gemalt wurden. „Ich fühle mich dem Projekt verbunden“, sagt Donata Schenk. „Gefangene haben keine Stimme, hier bekommen sie eine.“ Doch das Thema Haft berührt auch ihre eigene Biographie.

Kontakt zum Mörder

Als 16-Jährige nahm sie in Heidelberg Kontakt zu einem verurteilten Mörder auf. Beim ersten Treffen stand die Tochter einer uralten hessischen Adelsfamilie ein wenig beklommen in den Fluren der Justizvollzugsanstalt – im engen Minirock, der ein ganzes Stück über dem Knie endete.

„Ich hatte keinen längeren“, erzählt Donata Schenck und lacht. „Es wundert mich, dass mir das damals niemand verboten hat. Aber heute bin ich dankbar dafür.“ Der Kontakt ins Gefängnis hielt über zehn Jahre lang, auch, als aus der Schülerin schon längst eine Mutter geworden war.

„Wir müssen vor Ort sein und nah an die Leute rankommen.“

Donata Von Schenck

Seit sechs Jahren pendelt Donata Schenck zwischen Hausen und Hauptstadt. Sie hat Verabredungen mit der Kanzlerin, dem DGB-Chef und dem Ehepaar Wulff. Ihre Mails werden meistens gegen 23.30 Uhr oder 7.15 Uhr gesendet. „Ich mache, so viel ich kann“, sagt Donata Schenck im Taxi nach Hause. „Und so lange es mir gut geht, mache ich es gern.“

Sie redet sich in Rage, wenn sie über ihre Herzensthemen spricht: Die Lehren aus dem Missbrauchsskandal der Kirche, mehr Hilfsangebote für Familien, die nicht der Vater-Mutter-Kind-Schablone entsprechen. Sie wird ärgerlich, wenn sie erzählt, wie oft Jugend und Migration noch immer als getrennte Angelegenheiten genannt werden.

Doch sie hat auch gelernt, manchmal nein zu sagen und sich nicht sofort allen Anliegen zu verpflichten, die auf sie einprasseln. Denn Donata Schenck ist nicht nur Ehrenamtliche an der Spitze des DRK, sondern auch Mutter und bald neunfache Oma. „Ich muss aufpassen, dass mir Zeit für die Familie bleibt“, sagt sie. „Es geht nicht, dass für alle DRK-Termine in Berlin Zeit ist, aber nicht, wenn meine Kinder mich brauchen.“

Schwimmen und Himbeeren

Heute geht es nach Güstrow bei Schwerin, um ein preisgekröntes Schwimmprojekt für Vorschulkinder zu besuchen. Doch um kurz nach halb acht muss zuerst eine andere Angelegenheit geregelt werden. Zuhause liegen Himbeeren in der Kühltruhe, die sie per Telefon zum Auftauen freigibt. WEITERER ARTIKEL

Von Saskia Trebing

Quelle: HNA

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