Peter Braun ist Briefträger: Seit 50 Jahren bringt er die Post von Haus zu Haus

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Seit einem halben Jahrhundert ist er von Tür zu Tür unterwegs: Peter Braun aus Homberg hat bereits mit 14 Jahren bei der Post angefangen. Im April geht der 64-Jährige in den Ruhestand.

Homberg. Als er 14 Jahre alt war, musste sich Peter Braun entscheiden, was er werden wollte. Er wählte die sichere Variante und wurde Postbote. Seit 50 Jahren trägt er in Homberg die Briefe von Haus zu Haus.

Als Peter Braun 1966 zum Berufsberater ging, wusste der schnell, was der damals 14-Jährige werden sollte. Mit seiner großen Statur, so der Rat, könnte Peter Braun doch auch auf den Bau gehen. „Aber was ich mache, das entscheide ich immer selbst,“ erzählt der 64-Jährige mit einem Lachen. Er ging also nicht auf den Bau, sondern fing mit 14 Jahren beim damaligen „Nonplusultra auf dem Arbeitsmarkt“ an - bei der Post.

„Du wirst Beamter, Du machst es richtig“, sagten ihm damals Familie und Freunde. Und wenn Peter Braun heute über seine Arbeit erzählt, dann hört man, dass es stimmte: Der Homberger hatte die richtige Wahl getroffen.

„Ich hätte x-Mal in den mittleren Dienst aufsteigen können, aber ich brauche den täglichen Kontakt mit den Menschen.“

„Ich muss immer unter Menschen sein und zwei, drei Worte mit ihnen wechseln“, sagt er. Dafür war sein Job prädestiniert: Früher, sagt er, habe er allein zwei Stunden gebraucht, um die Post in die Geschäfte und Wohnungen am Marktplatz zu bringen - heute gehe das deutlich schneller, da deutlich weniger Menschen in der Altstadt wohnten.

Überhaupt habe er in dem halben Jahrhundert bei der Post viele Wandel erlebt. Während Peter Braun früher mit einem Lederranzen loszog, die Briefe an Packstationen einsammelte und sie von Tür zu Tür verteilte, trägt er heute Briefe und Pakete mit dem Auto aus.

Es ist viel passiert, der Beruf ist auch anstrengender geworden. Deutlich macht Braun die steigende Belastung an dem Beispiel von Sportstudenten, die ihm ausgeholfen haben. „Die waren nach der Arbeit so fertig, dass sie abends früh ins Bett gegangen sind“, sagt er halb lachend, halb ernst. Peter Braun ist in Homberg fest verwurzelt. „Ich hätte x-Mal in den mittleren Dienst aufsteigen können, aber ich brauche den täglichen Kontakt mit den Menschen“, erzählt er.

Manchmal muss er sich bei seinen Touren auch mehr Zeit nehmen, beispielsweise, „wenn die Leute etwas Schlimmes erlebt haben und das loswerden wollen“, wie Braun sagt. Er hat ein Feingefühl dafür, da er solche Situationen selbst kennt. Im vergangenen Jahr starb einer seiner Söhne. Das verarbeitet er in seinem Tagebuch. Peter Braun schreibt seit über 20 Jahren täglich die Dinge auf, „an die sich sonst kaum einer mehr erinnert“, begründet er. Dazu inspiriert haben ihn die Tagebücher von Thomas Mann - den er samt dessen Familie für ihr großes literarisches Werk verehrt.

Doch nicht nur die Familie Mann begeistert ihn. Über 7000 Bücher, darunter einst verbotene Exemplare oder Erstauflagen, hat Peter Braun in seinem Haus angesammelt.

Im April geht er in den Ruhestand. „Dann beginnt ein neuer Lebensabschnitt“, sagt Peter Braun. Um fit zu bleiben, will er wieder mehr laufen gehen. Einen Halbmarathon zu schaffen ist sein Ziel. Das hat er zuletzt vor fünf Jahren gemacht.

Er kann sich auch vorstellen, sich etwas zur Rente dazuzuverdienen. Und hat schon eine Vorstellung: „Ich würde am liebsten von Haus zu Haus gehen und weiter Kontakt mit den Menschen haben“. Die Post kommt aber für ihn als Arbeitgeber dann nicht mehr infrage.

Quelle: HNA

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