Pfändungsschutz mit Tücke: Wer P-Konto benötigt, sollte sich gut informieren

Kreisteil Melsungen. Wenn Walter P. (Name von der Redaktion geändert) am Monatsende auf seinen Kontoauszug schaut, kommt der Zorn hoch: 12 Euro Grundgebühr, dazu einige Buchungen, das summiert sich schnell auf 20 Euro.

Und das nur, weil Walter P. wenig Geld aber Schulden hat und sein Konto bei der Kreissparkasse Schwalm-Eder als Pfändungsschutzkonto geführt wird. So jedenfalls stellte es sich für ihn monatelang dar.

Das sei ein Intensiv-Konto und habe nicht mit dem Pfändungsschutz zu tun, argumentiert die Kreissparkasse. Da liege die Grundgebühr bei 12 Euro. Wäre Walter P. kein Neukunde gewesen, wäre sein reguläres Konto – je nach Modell für 3 Euro oder 8 Euro – ohne Zusatzgebühr weiter geführt worden.

Es sei ihm aber gar kein anderes Kontomodell als das Intensiv-Konto angeboten worden, sagt der Mann, der wegen seiner Schulden auf das P-Konto angewiesen ist. Und das bekam er, weil er das Geldinstitut wechseln musste, nur bei der Sparkasse. Bei einer Bank, bei der es es versucht hatte, sei er abgewiesen worden.

Und, was ihn noch ärgert: Obwohl das Konto erst ab dem 22. November lief, wurde ihm für diesen Monat die volle Grundgebühr in Rechnung gestellt. Für ein halbes Jahr machte das nahezu 120 Euro an zusätzlicher Belastung aus.

Walter P. wandte sich an die Verbraucherberatung, an eine Anwältin und an unsere Zeitung. Die HNA nahm ihrerseits Kontakt mit der Verbraucherberatung und der Kreissparkasse auf. Schnell stellte sich heraus: Es ist nicht der Pfändungsschutz als solcher, der die hohe Grundgebühr verursacht.

Auch der seitens der Sparkasse erforderliche höhere Arbeits- und Beratungsaufwand für diese Kunden war nur indirekt ausschlaggebend. Aber weil dieser höhere Aufwand gegeben ist, wurde Walter P. das Intensiv-Konto angetragen – mit dem Zusatzvermerk P-Konto, der auch auf den Konto-Auszügen steht. Das wiederum führte zu dem Missverständnis, dass es eben jenes P-Konto sei, was zu den hohen Gebühren führt. Wäre das so gewesen, dann hätte die Verbraucherberatung überlegt, dagegen vorzugehen. Denn, so sagt Eva Raabe von der Verbraucherberatung Kassel: „Es kann nicht sein, dass jemand der wenig Geld und Schulden hat, mehr zahlt.“

Sie verweist auf ein Urteil des Oberlandesgerichts Frankfurt/Main vom 28. März dieses Jahres. Dieses hatte festgestellt, dass ein Pfändungsschutzkonto nicht mehr kosten darf als ein normales Konto. Allerdings habe dieses Urteil nur Gültigkeit für das beklagte Geldinstitut. Und das war nicht die Kreissparkasse Schwalm-Eder.

Mit Verweis auf dieses Urteil hatte sich Walter P. schriftlich an seine Sparkasse gewandt. Diese verwies daraufhin auf das Intensiv-Konto als eines von vielen Kontomodellen und auch darauf, dass für die Zusatzvereinbarung „Pfändungsschutzkonto“ keine Extra-Gebühr erhoben werde.

Walter P. wollte das so nicht hinnehmen – doch nun zahlt er weniger und ist zufrieden. Markus Breitschwerdt von der Kreissparkasse: „Wir haben eine Lösung gefunden.“

Von Brigitte Müller-Neumann

Quelle: HNA

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