Bernd-Peter Jensen aus Niederurff lässt Drachen mit einer Kamera aufsteigen - So entstehen Luftaufnahmen aus der Region

Ein Pfarrer liebt die Vogelperspektive

Oberurff von oben: Pfarrer Bernd-Peter Jensen aus Niederurff nahm das Bild mit einer an einem Drachen befestigten Kamera auf. Foto:  privat

Niederurff. Wenn Pfarrer Bernd-Peter Jensen fliegen geht, dann weiß seine Frau schon Bescheid: Nicht der Pfarrer selbst geht dabei in die Luft, er lässt lediglich einen Drachen in den Himmel rund um Niederurff steigen. Dabei allein die Fäden in der Hand zu halten, ist dem Geistlichen nicht genug: Seit 2010 entstehen im Flug auch Fotografien.

Dafür sorgt eine ausgeklügelte Technik. Die ersten Flug- und Fotoversuche unternahm der gebürtige Nordfriese 1979. Damals stieg er mit einem Freund auf den Kirchturm, fotografierte durch eine Dachluke und war überrascht vom Ergebnis und dem Blick auf die Welt. „Für Flachländer wie uns war das damals schon eine große Höhe“, sagt Jensen und lächelt verschmitzt.

Auch später faszinierte ihn die veränderte Perspektive. Gern ließ er als Erwachsener den Drachen aus Kindertagen steigen. Mit einem ähnlichen Modell startete Jensen 2010 die ersten Flugversuche und installierte daran eine Kamera. Zu Hilfe nahm er sich eine fünf Meter lange Alustange und den Selbstauslöser.

Die Kamera hing er kurzerhand unten an. „Mit enttäuschenden Ergebnissen“, erzählt er. Um ein stabileres Flugverhalten zu erzielen, band er die Kamera am Drachenschwanz fest und machte die ersten Videoaufnahmen.

2011 gelangen Jensen mit einer neuen Outdoor-Kamera die ersten Einzelbilder. Der Pfarrer stellt dazu die Lumix ein und programmiert die Zeit. „Die Kamera macht ein Foto pro Minute, insgesamt 60 Minuten lang“, erklärt er.

Hülle aus Kunststoff

Geschützt wird die Kamera von einer selbst gebauten Hülle aus Kunststoff. An der Konstruktion wird das Modell ordentlich festgeschraubt. 300 Gramm wiegt das Anhängsel, das am 17 Meter langen Schwanz angehängt wird.

Steigen lassen darf der Pfarrer seinen Drachen bis auf 300 Meter Höhe. Hierfür hat er eine Erlaubnis vom Regierungspräsidium eingeholt. Perfektes Wetter zum Drachensteigen ist immer dann, wenn die Sonne scheint und sich die Windstärke etwa um zwei bewegt. Pfarrer Jensen genießt die Bewegung in der Natur. Und den Überraschungsmoment später am Rechner, wenn er die Fotos von der Karte in den Computer überträgt. „Das ist wie das Öffnen einer Wundertüte.“ Anfangs montierte er die Kamera in senkrechter Position zur Erde. Mittlerweile habe er das geändert.

Aktuell bastelt er an einer neuen Idee: „Ich hätte gern, dass sich die Kamera im Flug langsam dreht. Aber das ist technisch kompliziert“, sagt er. Besonders reizvoll findet der Pfarrer den Wandel der Jahreszeiten, wenn die Region mit Schnee überpudert ist oder der Raps in voller Blüte steht. Jensen plant jetzte einen Fotokalender mit Bildern aus seinem Kirchspiel. Der Erlös soll der Kirchenrenovierung in Niederurff zugute kommen.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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