Pfarrer Dr. Ulrich Bock geht am Sonntag in den Ruhestand

Fritzlar. Der Pfarrer hat eine leise, sanfte Stimme, und dennoch ist Dr. Ulrich Bock kein Leisetreter. Wenn er ein Ziel verfolgt, ist er beharrlich und zielstrebig.

Davon haben in Fritzlar und anderswo viele Menschen profitiert. Am Sonntag wird Pfarrer Bock in den Ruhestand verabschiedet; an dem Tag, an dem er 65 Jahre alt wird.

Bock stammt aus einer Theologenfamilie, der Vater war Pfarrer in Erfurt. Er selbst studierte Theologie in Jena und schrieb seine Doktorarbeit über den russischen Dichter Dostojewski. Literatur und Poesie sind Bock bis heute wichtig.

Die Beschäftigung mit Dostojewskis russischem Originaltext half ihm aber bei der Gemeindearbeit in Fritzlar auch ganz konkret. Mit vielen russischsprachigen Gemeindegliedern fand Bock den direkten Kontakt.

Der Westen in Sichtweite

Seine erste Pfarrstelle trat Ulrich Bock in Meiningen in Thüringen an, direkt an der deutsch-deutschen Grenze. „Ich konnte von meinem Zimmer aus den Kreuzberg sehen, der aber unerreichbar war“, erinnert er sich.

Für Pfarrer war die Zeit in der DDR schwierig, denn die Kirche erweckte das Misstrauen der Obrigkeit. „Ich habe so eine Stasi-Akte“, sagt Bock und breitet die Finger zu einer breiten Klammer aus. Die Kirche sei für viele in der DDR eine Möglichkeit gewesen, sich zu engagieren.

Irgendwann stellten Bocks einen Ausreiseantrag, eine Entscheidung, die ihnen schwer gefallen sei. 1987 kamen sie in den Westen. Als Pfarrer konnte er wegen eines Abkommens der Kirchen zunächst nicht arbeiten. Doch Bock bekam eine Lehrerstelle in der Ursulinenschule: „Ich habe das als ein kleines Wunder angesehen.“

Er wollte alle erreichen

Dann gab es die Genehmigung, wieder im alten Beruf zu arbeiten. Seit 1995 ist Ulrich Bock Pfarrer in Fritzlar. Von den 4000 Gemeindegliedern seien selbst an Heiligabend maximal 1000 in die Kirche gekommen, sagt er. Sein Ziel sei es gewesen, auch die anderen zu erreichen. „Die Kirche ist nur Kirche, wenn sie für andere da ist“, zitiert Bock den Theologen Dietrich Bonhoeffer. Der Fritzlarer Pfarrer hat sich das als Leitsatz genommen. Dabei nahm er auch Widerstände in Kauf, sicher auch ein Erbe seiner DDR-Zeit.

Als er eine Unterkunft für Obdachlose suchte und fand, bekam er böse Anrufe und Briefe, aber auch Unterstützung. Doch diese Arbeit mache deutlich, wofür Kirche da sei. Themen wie Tod, Krankheit und Kriegserfahrungen wurden thematisiert. Am Runden Tisch, den Bock initiiert hatte, wurden brennende soziale Probleme Fritzlars gelöst. Das Adventssingen für den guten Zweck auf dem Marktplatz gibt es seit 1995.

Für UIrich Bock beginnt ein Abschnitt, in dem er sich Zeit nehmen will für seine Familie mit Frau, drei Kindern und vier Enkeln, und für Bücher, das Fahrrad und die Natur.

Von Olaf Dellit

Quelle: HNA

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