Häufig steigt das Adrenalin: Pfarrer arbeitet als Notfallseelsorger

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Rettungsjacke statt Talar: Pfarrer Wolfgang Hanske aus Istha hat für seine Einsätze als Notfallseelsorger eine spezielle Ausrüstung. Dazu gehören auch verschiedene Kuscheltiere, mit denen er das Vertrauen betroffener Kinder gewinnen möchte.

Istha. Wenn das Handy klingelt, steigt bei Wolfgang Hanske der Adrenalinpegel. Sein Herz schlägt schneller. Ein Anruf auf diesem Telefon bringt niemals gute Nachrichten.

Es ist das Diensthandy für die Notfallseelsorge. Dort meldet sich die Leitstelle von Polizei und Feuerwehr, wenn bei Einsätzen mit Todesfällen seelische Unterstützung erforderlich ist.

Die Ausrüstung für den Einsatz hat Hanske dann aber immer griffbereit. Neben einer Rettungsjacke mit Leuchtstreifen und der Aufschrift „Notfallseelsorge“ besteht diese aus einem Rucksack, der neben einer Taschenlampe und einem kleinen Holzkreuz auch zwei Kuscheltiere enthält. Mit diesen erhofft sich der 57-Jährige Zugang zu Kindern zu bekommen, beispielsweise während bei Unfällen ein verletzter Elternteil versorgt wird.

Wie alle seine Kollegen ist Hanske verpflichtet, dem Dienst als Notfallseelsorger nachzugehen. Das war nicht immer so. Seit 1997 sind die Dienste organisiert. Damals war die Feuerwehr an den Kirchenkreis herangetreten, mit der Bitte, sich um eine ständige Erreichbarkeit eines Seelsorgers zu kümmern. Hanske und seine Kollegen organisierten Dienstpläne und teilten sich auf. Im Jahr 2006 verpflichtete die Landeskirche die Pfarrer dann, den Aufgaben der Notfallseelsorge nachzukommen. 20 Pfarrer im Kirchenkreis sind nun abwechselnd im Einsatz.

„Natürlich bin ich jedes Mal froh, wenn ich den Dienst wieder an einen Kollegen übergeben kann. Das geht uns allen so“, sagte Hanske.

Pro Jahr kommt es zu zehn bis 15 Einsätzen. Gerufen werden die Seelsorger bei Autounfällen, Vermisstensuche oder – wie in den meisten Fällen – bei der Überbringung von Todesnachrichten durch die Polizei. Dann suchen die Geistlichen das Gespräch mit den Angehörigen. „Manchmal kommen dabei religiöse Fragen von Menschen auf, die vorher nie was mit der Kirche am Hut hatten“, sagt Hanske.

Manchmal kommen religiöse Fragen von Menschen auf, die vorher nie was mit der Kirche am Hut hatten.

Erst wenn durch eintreffende Verwandtschaft oder Freunde ein stabiles Netzwerk um die Betroffenen aufgebaut ist, fährt der Seelsorger nach Hause. An Schlaf ist dann für Wolfgang Hanske nicht zu denken. „Es wird nicht leichter im Laufe der Jahre, im Gegenteil: Je älter ich werde, desto mehr wird mir bewusst, was das für eine Familie bedeutet“, sagt Hanske. Ihm selbst hilft bei der Verarbeitung der Erlebnisse die Supervisionsgruppe, bei der sich Pfarrer untereinander im Gespräch austauschen.

Hilfe auch für Einsatzkräfte

In vielen Fällen bieten Hanske und seine Kollegen nicht nur den Angehörigen, sondern auch den Rettungskräften Beistand. „Früher hieß es am Unfallort dann schonmal: Jetzt rennt hier auch noch so’n Pope rum“, sagt Hanske, „aber heute sind sie froh, dass sie uns haben.“ Viel über das Erlebte zu reden, ist der Rat des Pfarrers. Dass das hilft, weiß er aus eigener Erfahrung.

Quelle: HNA

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