Pfeffermühle in Homberg: Angriff auf die Lachmuskulatur

Mitten im Publikum waren sie genau richtig: Die Schwestern brachten die Homberger gleich zu Beginn ihres Kabarettprogramms in Stimmung. Fotos: Dürr

Homberg. Das Kabarettprogramm der vier Damen der Leipziger Pfeffermühle wurde am Freitagabend in der Stadthalle in Homberg zu einem Angriff auf die Lachmuskulatur.

Schon als die Schwestern Anna (Jacqueline Boulanger), Agnes (Sabine Töpfer), Chantal (Lydia Roscher) und Ines (Franziska Schneider) auf die Bühne einliefen, nahmen sie das Publikum mit hinein in ihr Programm: Sie fragten nach den Versichertenkarten der Besucher. Und als sie in der 5. Reihe einen Mann fanden, der die Premium-Pflegekarte hatte, wurde er sofort umschwärmt. Denn: Premium bringt mehr Geld in die Kassen eines Krankenhauses.

In der Klinik werden Privatpatienten in Gucci- und Prada-Zimmer untergebracht, während Kassenpatienten in Besenkammern oder Kellerräumen wohnen.

Die Sachsen-Klinik ist nämlich pleite - durch Organskandal und Fehlwirtschaft. Die vier Power-Schwestern überlegen nun, wie sie es drehen können, um nicht ihre Arbeitsplätze zu verlieren.

Arzt gibt es keinen mehr im Haus, dafür einige Pflegefälle, die in Medizinschränke einbrechen und auch sonst die Schwestern ordentlich auf Trab halten. Schwester Jacqueline hat als Flüchtling zwar eine Approbation, aber ihr Beweis dafür ist leider verloren gegangen.

„Unsere Klinik ist wie die Titanic - und das Bordorchester sind wir!“

Nun wurde den ganzen Abend ausgelotet, unter welchem Slogan die Klinik wieder auf die Beine kommen könnte: als Schönheits-, Fortpflanzungs- oder Drogenklinik, als Klinik „To Go“ oder mit alternativer Medizin?

In einem von Höhepunkt zu Höhepunkt auflaufenden Programm sangen und schauspielerten die vier Damen die Vorteile des jeweiligen Slogans aus, mit einen Rundumschlag auf das Gesundheitswesen, auf die Politik und auf Zustände in der Zwei-Klassen-Gesellschaft.

Sie wechselten von der Rolle als Schwester in die verrückter Patienten, rappten und musizierten stets auf hohem Niveau mit Piano, Horn, Blockflöte und Gitarre und mehrstimmigem Gesang.

Unbarmherzig wurden Finger in die Wunden des Gesundheitswesens und den Alltag gelegt: Ob grenzenloser Verschreibungswahnsinn oder die Suche nach dem perfekten Kind, Parteien oder Zusatzstoffe in Lebensmitteln, Pleiten berühmter Personen oder die Abhängigkeit von den USA - „Amerika, unser Heiland - du machst uns was vor und wir machens nach“ - es wurde kaum ein Thema ausgelassen.

Herrlich der Lobgesang auf Ritalin nach YMCA oder Schneider als sächselndes Opfer der Medizin: mit Schnupfen fing es an und endete mit Psychopharmaka. Vor Lachen schüttelten sich die Besucher nach dem groovigen Song über einen jungen Mann mit tollem Körper (Boulanger), der dann aber leider einen Zettel an die Zehe bekommt und in die Pathologie geschoben wird.

Wunderbarerweise tauchte die Approbationsurkunde von Anna wieder auf, damit war der Fortgang der Klinik gesichert.

Man kam zu dem Schluss: „Unsere Klinik ist wie die Titanic - und das Bordorchester sind wir!“ Da wanden sich viele Zuschauer schon in Lachkrämpfen, die sie mit Sicherheit gesünder machen. Und hörten: „Wir sind doch alle krank!“

Tosender Applaus und zwei Zugaben beendeten den Abend.

Von Agnes Dürr

Quelle: HNA

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