Posse um Stute Erna

Pferdehändler und -halterin wurden wegen Versicherungsbetrugs verurteilt

Treysa. Das Leiden des jungen Pferds Erna beschäftigte kürzlich das Amtsgericht in Schwalmstadt. Es ging nicht um Tierquälerei, sondern um Versicherungsbetrug.

Gemeinschaftlich angeklagt war ein 77-jähriger Pferdehändler aus dem Landkreis Groß-Gerau und eine 47-jährige Pferdezüchterin aus dem Altkreis Fritzlar-Homberg. Der Fall kam vor das Amtsgericht in Treysa, weil sich das zwei Jahre alte Aufzuchtpferd 2016 in einem Pensionsstall im Altkreis Ziegenhain verletzt hatte. Letztlich verstarb Erna in einer Tierklinik in Telgte.

Ursächlich für den Tod des Tieres war laut Obduktionsbericht eine Kolik. Der 50-jährige Besitzer des Pensionsstalls meldete den Schaden seiner Versicherung. So weit, so normal: Laut Anklageschrift gab die 47-jährige Pferdebesitzerin gegenüber der Versicherung den Wert der jungen Stute mit 9600 Euro an. Dies sei viel zu hoch gewesen, so der der Vorwurf des Staatsanwalts: „Bei einem Verkauf wären lediglich 3500 Euro zu erzielen gewesen.“

Der Pferdehändler musste sich vor Gericht verantworten, weil er der Frau schriftlich bestätigt hatte, dass er Erna als Fohlen für 9600 Euro gekauft habe. Das Gericht sprach später im Urteil von einer Gefälligkeitsbescheinigung. Dieses Schriftstück reichte die Frau bei dem Versicherer ein, welcher anstandslos sämtliche Kosten und den Wert des Pferdes ersetzte. Kurios: Nicht die Versicherung hatte Anzeige erstattet, sondern der Pensionsstallbesitzer.

Im Laufe des fünfstündigen Prozesses ging es letztlich um die Frage, ob der für Erna gezahlte Verkaufspreis realistisch gewesen war oder ob es sich um ein fingiertes Geschäft gehandelt hatte. Sieben Zeugen wurden gehört. Er hätte für das Pferd höchsten 2000 Euro bezahlt, sagte der Besitzer der Pferdepension: „Es ist kein Meter von sich aus gelaufen.“ Eine Gutachterin taxierte den Wert von Erna auf maximal 4500 Euro. Der Pferdehändler zeigte sich unkooperativ und gegenüber dem Gericht respektlos. Trotz Ermahnung klingelte immer wieder das Handy des Mannes.

Er habe das Pferd damals für 9600 Euro gekauft, weil es sich überdurchschnittlich gut bewegt habe, erklärt der 77-Jährige wenig überzeugend.

Wie sich im Prozessverlauf herausstellte, arbeitete auch die Versicherung unsauber. Wenn richtig geprüft worden wäre, dann hätte es keinen Cent gegeben, sagte der Richter: „Eine Kolik war nicht versichert.“ Bis zum Schluss blieben die Angeklagten bei ihrer Version. Für den Staatsanwalt war der Fall dagegen klar: Die Pferdebesitzerin habe den Betrug begangen, um nicht auf den Tierarztkosten sitzen zu bleiben, so der Jurist.

Der Vorsitzende folgte der Einschätzung der Anklage und verurteilte die Frau zu 2400 Euro und den Mann zu 675 Euro Geldstrafe. Darüber hinaus ordnete das Gericht die Einziehung des Tatertrags in Höhe von 5100 Euro an.

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © Arne Dedert/ dpa

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