Tolle Fahrgeschäfte

Fritzlarer Pferdemarkt: So sicher sind die Attraktionen

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Blick aus Riesen-Kettenkarussell: Wer im „Around the World“ auf dem Pferdemarkt in Fritzlar sitzt, kann in der Ferne sogar den Dom sehen.

Noch bis Sonntagabend lockt der Fritzlarer Pferdemarkt mit spektakulären Fahrgeschäften. Doch wie sicher sind die Attraktionen?

Das ist nichts für Angsthasen: Das Riesen-Kettenkarussell von Marcel Scheffer auf dem Fritzlarer Pferdemarkt schraubt sich Runde für Runde weiter den Wolken entgegen. Kein Wunder, dass bei einer Geschwindigkeit von mehr als 50 km/h sogar Tränen in die Augen schießen.

Oben angelangt, baumeln die Beine in luftigen 60 Metern Höhe. Es ist nicht die einzige Attraktion auf dem Pferdemarkt. Wir haben uns umgeschaut.

Achterbahn

Mut braucht, wer in die Achterbahn X-Racer von Willy Klünder einsteigt. Seit 2011 zieht der Schausteller in siebter Generation mit ihr von Volksfest zu Volksfest. Acht- bis zehnmal wird das Fahrgeschäft, das in seine Einzelteile zerlegt neun Spezialtransporter füllt, pro Jahr aufgebaut.

Um den guten Zustand zu erhalten, werde es täglich gewartet. „Sicherheit ist das Wichtigste“, sagt Klünder, der Achterbahn-Betreiber in der dritten Generation ist, davor besaß die Familie andere Fahrgeschäfte.

Für fünf Euro rast man auf seiner Achterbahn mit 50 km/h über 500 Meter Schienen. Die 180-Grad-Kurven geben das Gefühl, über die Achterbahn hinauszuschießen.

Schausteller gehören wie Zirkusleute zum fahrenden Volk. Klünders Kinder wechselten häufig die Schule. Vor ihrem Abschluss besuchten sie eine Zirkusschule. Das bedeutet Online-Kurse, Lernpakete und Blockunterricht.

Laser-Tag-Arena

Ein paar Meter weiter lockt Nancy Zettel mit ihrer 20 Quadratmeter großen Laser-Tag-Arena. Beim Räuber-und-Gendarm-Spiel der Moderne heißt es: jeder gegen jeden. 20 Leute können sich bei Schwarzlicht, Nebel und Musik gleichzeitig auf dem Spielfeld mit Reifenstapeln, Fässern und Paletten bewegen.

Bevor es losgeht, werden die Besucher mit einer Spielausrüstung ausgestattet, bestehend aus einer Weste mit Sensoren und einem daran angebrachten Phaser (ungefährlicher Infrarot Signalgeber). Ziel ist es, möglichst viele Leute mit der Strahlwaffe zu treffen.

Die Anzahl der gelandeten Treffer zeigt nach den acht Minuten Spielzeit ein Monitor an. „Richtig gut ist derjenige, der 16.000 bis 18.000 Punkte erreicht“, sagt Zettel.

Im Gegensatz zu Laser-Tag-Hallen, in denen sich nur Gruppen anmelden dürfen, kann man das Spiel für vier Euro bei ihr auch allein ausprobieren. Zettel ist nicht zum ersten Mal in Nordhessen. Die Schaustellerin aus Hamburg war mit ihrer Arena bereits in Eschwege und Hofgeismar. Ihre nächste Station ist in den Niederlanden.

Riesen-Kettenkarussell

Auf alle, die sich trauen einzusteigen, wartet im Riesen-Kettenkarussell ein kleiner Adrenalinkick und eine tolle Aussicht auf die Umgebung von Fritzlar. Die Frisur hat sich längst verabschiedet – egal. Zwölf Stunden haben Geschäftsführer Scheffer und sein Team gebraucht, um das Fahrgeschäft aufzubauen. Wegen der Höhe kam ein Kran zum Einsatz.

2500 Euro kostet dieser für fünf Stunden Auf- und Abbau. Dazu kommt noch die Standmiete. Auf 20 Festen und Festivals in ganz Europa reist der Niederländer mit seinem Fahrgeschäft.

Für 4,50 Euro darf man sich auf dem Riesenkarussell fünf Minuten lang fühlen, als könnte man fliegen. Viel zu schnell ist die Fahrt dann auch schon vorbei.

Strenge Kontrollen, bevor es losgeht

Fahrgeschäfte gibt es mehr als genug auf dem Fritzlarer Pferdemarkt. Doch wie steht es um die Sicherheit von Karussell, Achterbahn und Co.? Wir haben bei Marktmeister Dieter Decher und Schaustellern nachgefragt.

Welche Rolle spielt die Sicherheit von Fahrgeschäften auf Volksfesten wie dem Fritzlarer Pferdemarkt?

„Sicherheit ist das A und O“, sagt Decher. Neben den regelmäßigen Kontrollen seitens der Bauaufsicht können die Besucher auch selbst etwas dazu beitragen, dass ihnen nichts passiert. An jedem Fahrgeschäft hängen zum Beispiel Hinweisschilder.

Gibt es ein Güte-Siegel für die Fahrgeschäfte?

Fahrgeschäfte, die für eine bestimmte Zeit aufgebaut und dann wieder zerlegt werden, müssen für den sicheren Betrieb besondere statische und konstruktive Anforderungen erfüllen. Schon vor dem ersten Aufstellen benötigte seine Achterbahn eine Ausführungsgenehmigung, sagt Schausteller Willy Klünder.

Sie wird vom TÜV ausgestellt und dann nach regelmäßigen Prüfungen verlängert. Marcel Scheffer ist mit seinem Riesen-Karussell in ganz Europa unterwegs und hat für die Niederlande, Großbritannien und Deutschland jeweils eine eigene Zulassung. „Der TÜV in Deutschland ist sehr streng“, sagt er.

Werden die Fahrgeschäfte auf dem Pferdemarkt überprüft?

Über die Bauaufsicht erfolgt vor der Inbetriebnahme eine sogenannte Gebrauchsabnahme. Laut Klünder dauert diese eine knappe Stunde und verläuft stichprobenartig. 

Bei seiner Achterbahn überprüft die Bauaufsicht den Aufbau, die Absturzsicherung und die Bolzen. „Manchmal machen die Experten auch eine Probefahrt“, sagt er. Beim Riesen-Karussell checkt die Bauaufsicht die Steuerelemente, die Gondeln, die Sicherung der Sitze und setzt das Fahrgeschäft probeweise in Bewegung.

Quelle: HNA

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