Philipp Funck impft die Bäume gegen das sichere Vertrocknen

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Das tut der Ulme am Alleeplatz nicht weh: Der Baumsachverständige Philipp Funck injiziert mit einer Impfpistole einen Pilz unter den Stamm.

Ziegenhain. Der Alleeplatz in Ziegenhain hat seinen Namen nicht von ungefähr: Neun Ulmen zieren das Herz der Stadt. Doch ein Pilzbefall bedroht die Bäume. Darum macht der Schwälmer Sachverständige Philipp Funck sie mit einer Impfpistole unempfindlich.

„Diese schönen Ulmen“, sagt Philipp Funck und klopft gegen einen der 40 Zentimeter breiten Stämme, „stehen hier seit den 1970er Jahren.“ Die neun Bäume ragen grün in den Ziegenhainer Himmel und säumen den Alleeplatz. Doch Gefahr ist im Anmarsch, denn Anfang Juni schlägt die Zeit des Ulmensplintkäfers. Dieser rund fünf Millimeter kleine Rindenbrüter ernährt sich bevorzugt von den Blättern der Pflanze.

Durch das Fressen gelangt ein Pilz namens Ophiostoma novo-ulmi in die Wasserbahn des Baumes. „Die Ulme reagiert hysterisch auf diesen Fremdbefall und schließt ihre Leitbahnen, also die Wasserversorgung des Systems“, erklärt der Experte. Die Folge: Innerhalb kurzer Zeit vertrocknet der Baum. „Das kann ein bis zwei Jahre dauern, manchmal auch nur wenige Wochen“, so Funck. Holländisches Ulmensterben nennt sich das Phänomen, welches 1902 hierzulande begann, als der Pilz aus dem Himalaya eingeschleppt wurde. Innerhalb zweier Phasen, in den 1920er und 1980er Jahren, verstarb nahezu der gesamte Ulmen-Bestand in Deutschland.

Um dem Einhalt zu gebieten, ist der Sachverständige aus Schwalmstadt in ganz Hessen und Süddeutschland unterwegs. Mit einer Impfpistole spritzt Funck rund zwei Wochen vor dem Eintreffen der Käfer ein Serum in den Stamm. Darin befindet sich destilliertes Wasser, das mit einem Welke-Pilz (Verticillium) versetzt ist. So wird der Baum desensibilisiert und für den Fremdbefall unempfindlich gemacht: Er gewöhnt sich also an den Pilz, ohne eine Überreaktion hervorzurufen. Alle zehn Zentimeter im Durchmesser setzt der 54-Jährige das Werkzeug an und injiziert bloß einen Tropfen der Flüssigkeit. „Die Verletzung ist nur ganz klein“, versichert Funck und verrät zugleich: „100 Milliliter des Serums kosten 280 Euro.“

Ein stolzer Preis, doch das ist der Stadt die Rettung wert. Einmal im Jahr erfolgt die Impfung, damit die 40 Schwälmer Ulmen auch weiterhin das Stadtbild zieren. 500 Jahre alt können die Bäume werden – mit der Hilfe von Philipp Funck bestimmt. Von Matthias Hoffmann

Quelle: HNA

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