"Eine Katastrophe"

Philippinenburger kritisiert Wolfhager Stadtbus als nicht barrierefrei

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Alle zwei Stunden fährt der Bus: Karl Fischer aus Philippinenburg fuhr im Juni mit dem Stadtbus nach Wolfhagen und war alles andere als zufrieden.

Wolfhagen. „Dass muss ich mir nicht noch mal antun!" Der gehbehinderte Karl Fischer ist enttäuscht, denn sein Vorhaben, mit dem Stadtbus von Philippinenburg nach Wolfhagen zu fahren, war eine Strapaze.

Sein Vorwurf: „Der Bus, der von Wenigenhasungen über Philippinenburg nach Wolfhagen fährt, ist eine Katastrophe. Er ist nicht behindertengerecht“, schrieb der 71-Jährige in einem Leserbrief an die HNA.

Ende Juni wollte Fischer, der eine Knie-Prothese trägt, nachmittags mit dem größeren der zwei Stadtbusse nach Wolfhagen fahren.

Als der Bus kam, musste Fischer die erste Hürde überwinden: Den etwa 35 Zentimeter Abstand zwischen Straße und Bus. „Da war eine hohe Kante, aber es gab keine Haltegriffe und Holme zum Festhalten“, erinnert sich Fischer. Er beugte sich in der Vordertür soweit vor, bis er die Rückenlehne eines Sitzes erreichen konnte. „So habe ich mich in den Bus gezogen“, so Fischer. Auch der Busfahrer habe ihm nicht geholfen.

Fahrt endete am Bahnhof

Nach 15 Minuten Fahrtzeit endete die Fahrt nicht in der Wolfhager Stadtmitte, sondern am Bahnhof. „Wie komme ich von hier zur Sparkasse?“, habe er daraufhin den Busfahrer gefragt. Der habe ihn auf einen Linienbus aus Kassel verwiesen; der fuhr allerdings erst eine Stunde später. Der Weg vom Bus zur Sparkasse sei kompliziert gewesen, so Fischer.

Frank Nagelschmitt, Abteilungsleiter der Wirtschaftsförderung bei der Stadt, erklärt die Wartezeiten mit Kapazitätsgrenzen. Der Minibus und der Kleinbus fahren auf vier Strecken, auf den Linien 111 bis 114. Am Bahnhof wechseln sie ihre Nummern.

„Da kann es sein, dass es zu einer längeren Verweildauern kommt“, so Nagelschmitt. „Das ist schade, aber dem Angebot geschuldet, dass Stadt und Landkreis zu leisten im Stande sind.“

Der Umstieg in den Linienbus war für Fischer kein Problem, denn es gab ein Haltegriff. Und der Bordstein war hoch genug, so dass Fischer problemlos einsteigen konnte. Das würde ihm schon reichen. Trotzdem fährt Fischer erstmal wieder mit dem Taxi nach Wolfhagen. „Mit dem Bus käme ich deutlich günstiger weg.“ „Wir nehmen jede Beschwerde sehr ernst“, sagt Steffen Müller, stellvertretender Pressesprecher und Personalchef des Nordhessischen Verkehrsverbundes (NVV). Er empfahl, sich an die NVV-Hotline oder an das Beschwerdeportal „5-Minuten-Garantie“ zu wenden.

Das sagt der NVV

Das sagt der NVV zu den Vorwürfen: „Der NVV hat Interesse an 100 Prozent barrierefreien Zugängen zum Bus. Deshalb fahren wir mit Niederflurbussen, mit besonders tief liegenden, ganz flachen Bodenplatten. Diese fahren an eine Haltestelle mit Hochbordstein und sind damit barrierefrei. Wenn es allerdings keine Haltestelle mit Bordstein gibt, wird es schwierig. Da muss die Stadt aktiv werden, so dass der Bus überall niederflurig fahren kann. Zu der Kritik mit den Einstiegshilfen: Wir haben an den Bustüren Quergriffe, auch im Inneren sind ausreichend viele Haltepunkte. Natürlich haben wir volles Verständnis für gehandicapte Menschen, denen dies nicht ausreicht. Leider wird man nie zu einer für alle zufriedenstellenden Lösung kommen.“

Von Nina Nickoll

Quelle: HNA

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