Auf dem Elisabethpfad von Eisenach nach Marburg: Zwölf Gläubige rasteten bei ihrer Pilgerfahrt in Treysa

Pilgern ist beten mit den Füßen

Weiter geht es nach Marburg: Die Pilgergruppe machte in Treysa Station. Die Aufnahme entstand kurz vor dem Abzweig in Richtung Wiera. Fotos:  Decker

TREYSA. Pilger, die den Elisabethpfad von Eisenach nach Marburg laufen, kommen nach 145 Kilometern durch Treysa. So erreichten jüngst zwölf Pilger am Abend nach einer Tagesetappe von 28 Kilometern erschöpft, aber erfüllt von den Erlebnissen des Tages ihr Quartier auf dem Berg. Hephata bietet in seinem „Bienenkorb“ Übernachtungsmöglichkeiten an, die gern von Pilgergruppen gebucht werden.

Pfarrer Bernhard Dietrich, Vorsitzender des Vereins Elisabethpfad, erzählte, dass er einmal im Jahr mit einer Gruppe die Strecke von Eisenach nach Marburg pilgere. Da beim Pilgern alles einfach sei, begrüße er mit den Worten: „Ich bin der Bernhard, wir sind alle Geschwister, Brüder und Schwestern“. So duzen sich alle, Nachnamen, Beruf oder Titel spielen in den folgenden Tagen keine Rolle mehr.

Die Pilger, die aus ganz Deutschland angereist waren – eine Frau kam sogar aus Kolumbien – verließen sich in den folgenden Tagen aufeinander und ließen sich aufeinander ein. Jeder Tag begann mit Morgengebet und einer Abendmahlsfeier. Während des Pilgerns gab es Zeiten des Gesprächs und des Schweigens, sie sangen und beteten. Am Ziel endete der Tag mit einer Austauschrunde und Abendgebet.

Veronika pilgerte zum ersten Mal. Auslöser bei ihr war das Buch von Hape Kerkeling, „Ich bin dann mal weg“, das vor gut acht Jahren zu einem Pilgeransturm führte. „Jahrelang habe ich davon geträumt, auf Pilgerreise zu gehen. Ich bin begeistert, aber es ist sehr anstrengend“, berichtete sie.

Sylvia hingegen ist allein in diesem Jahr schon 4000 Kilometer auf verschiedenen Pilgerpfaden unterwegs gewesen. „Den 1000 Kilometer langen berühmten Jakobsweg nach Santiago de Compostela in Spanien bin ich allein gegangen“, erzählte sie. Für sie sei das Pilgern beten mit den Füßen.

Hanna pilgert seit 2008 regelmäßig. „Losgelöst aus allen normalen Bezügen zu leben, zu laufen, zu singen und zu beten tut meiner Seele gut“, fasste sie ihre Motivation zusammen. Die richtige Richtung im Leben zu finden und mit Menschen in Kontakt zu treten, ließ Wilfried mitpilgern.

Immer den richtigen Weg zu finden, war dabei gar nicht so leicht, musste die Gruppe zwischendurch feststellen. Sie war eine kurze Etappe auf dem Jakobsweg gewandert, der zum Teil eine andere Streckenführung hat als der Elisabethpfad. Als sie dann wieder auf ihren Pfad abbogen, liefen sie in die falsche Richtung, zurück nach Eisenach. Erst nach mehreren Kilometern bemerkten sie ihren Fehler. Zum Glück gab es einen Begleitbus, der nur das Übernachtungsgepäck transportiert. Damit erreichten sie noch ihr Abendziel. „Sonst hätten wir in der Natur übernachten müssen“, erzählte Bernhard.

Von Christiane Decker

Quelle: HNA

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