Auszeichnung für Pionierin der Selbsthilfe gegen Krebs

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Am Schreibtisch: Dort will Hilde Schulte (72) künftig seltener sitzen. Aus der Gremienarbeit wird sich die ehemalige Bundesvorsitzender der Frauenselbsthilfe nach Krebs zurück ziehen.

Neukirchen. Ihre Brustkrebserkrankung im Alter von 48 Jahren sollte in Hilde Schultes Leben mehr ändern, als sie es hätte ermessen können. Heute ist die Frau aus Neukirchen-Asterode eine Instanz auf dem Gebiet der Selbsthilfe. Deshalb erhielt sie jetzt in Berlin eine bislang einmalige Auszeichnung.

Es gab Zeiten, da hat Hilde Schulte mehr Nächte im Jahr in Hotels übernachtet als zuhause in Asterode: Die 72-Jährige engagiert sich seit 1993 in der Frauenselbsthilfe nach Krebs. Von 2003 bis 2009 war sie Bundesvorsitzende der Organisation. „Ich bin schon länger mit dem Aufhören beschäftigt, die Gremienarbeit habe ich aber weitergemacht“, erzählt sie. Künftig will sie sich auch dort zurücknehmen - um mehr Zeit für Freunde, Bekannte, fürs Reisen und ihre Hobbys zu haben.

Große Ehre wurde Hilde Schulte jetzt beim Deutschen Krebskongress in Berlin zuteil. Dort zeichnete sie die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG) bei einem Parlamentarischen Abend im Museum für Kommunikation für ihre ehrenamtliche Tätigkeit in der DKG aus. „Eine außergewöhnliche Ehrung, weil erstmals nicht ein Experte des professionellen Systems, sondern eine Patientenvertreterin dafür ausgewählt wurde“, berichtet die Asteröderin. Für ihren Einsatz wurde sie unter anderem 2009 von der Deutschen Krebshilfe ausgezeichnet.

Seit vielen Jahren widmet sich Hilde Schulte unermüdlich der Arbeit in Gremien und Beiräten: „Die Selbsthilfe hat in Expertenkreisen Anerkennung gefunden“, sagt sie. Gemeinsam seien sehr wesentliche Leitlinien erarbeitet worden, ein Instrument, um Belange von Patienten geltend zu machen und die Versorgungsqualität zu erhöhen. „Dasselbe gilt für die Zertifizierungskommission Brustkrebszentren, die Qualitätsstandards für die Zentren festlegt und Versorgungsabläufe bestimmt“, erläuert Schulte.

„Betroffene müssen nach der Diagnose die Melodie ihres Lebens wieder finden.“

Das Thema Selbsthilfe müsse in ärztlichen Leitlinien eine Rolle spielen, weil die Leistungen der Selbsthilfe die Leistungen des professionellen Systems um eine Variante ergänzten. „Die Gespräche sind geprägt von umfassendem Verständnis, Offenheit, Intensität und hoher Glaubwürdigkeit, wie sie nur zwischen Betroffenen möglich ist“, ist die Asteröderin überzeugt, „Betroffene müssen nach der Diagnose die Melodie ihres Lebens wieder finden.“

Für die Zukunft gelte es, die positiven Trends der gesundheitspolitischen Entwicklung zu nutzen, die Zusammenarbeit zwischen professionellem System und Selbsthilfe nachhaltig zu sichern. Hilde Schulte wird auch in Zukunft einigen Arbeitsgruppen erhalten bleiben.

„Aber ich freue mich darauf, privat mehr zu reisen und kulturelle Angebote in der Region zu besuchen.“

Die Asteröderin war mit 48 Jahren an Brustkrebs erkrankt. Heute ist sie vollkommen gesund.

Von Sandra Rose

www.krebsgesellschaft.de

Quelle: HNA

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