Poetry Slam in Fritzlar: Frauen rockten das Finale

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Sie ernteten mächtig Applaus: Eva Matz (vorne links), Sina (Lippi Punkstrumpf, vorne rechts) mit Moderator Felix Römer und Ann-Christin Wahlen. 

Fritzlar. Als das Schokoladenschwein zertrümmert war, stand fest: Die Preise werden geteilt. Es gibt Eierlikör, Sekt und Süßes für alle. Es gibt nicht einen Gewinner, es gibt gleich drei.

Eva Matz, Lippi Punkstrumpf und Ann-Christin Wahlen setzten mit ihren Texten dem Fritzlarer Poetry Slam die Krone auf.

In den zweieinhalb Stunden zuvor ging es quer durch die menschlichen Bedürfnisse: Liebe, Sex, Pupsen. Mal derbe, mal sinnlich, mal nachdenklich, mal urkomisch waren die Texte der acht Poeten. Als erster und außerhalb des Wettbewerbs trat Max Remmert aus Kassel mit seiner Gitarre vor die gut 100 Zuschauer im Stiftssaal „Alte Waage“. „Lass uns anders sein, bevor hier alles in die Luft geht“, rief er am Samstag dem Publikum zu.

Max Remmert

Unter dem Bild des St. Martin setzte er ein politisches Statement. Es freute ihn, dass die AfD bei der vergangenen Kommunalwahl gar nicht erst in der Dom- und Kaiserstadt ihr Glück versucht hatte. „Jesus hätte nicht gewollt, dass die AfD hier antritt. Aber ich glaube er hätte es auch deutschlandweit nicht gewollt.“

Politisch war auch der erste Text von Eva Matz. Er rüttelte wach, war eindringlich und zeigte den Weg ihres Mitbewohners, eines Asylbewerbers. Nach 461 Tage des Wartens und fünf Stunden Anhörung bricht er in Tränen aus. Es sind Tränen der Erleichterung. „Denn es wird eine Antwort geben auf deine Frage nach Asyl.“ Die Antwort steht auf einem Blatt Papier. Es trägt seinen Namen und noch ein Wort: „Nein.“ „Warum muss sich jemand rechtfertigen, wenn er hier leben will?“, fragte Matz.

„Lass uns anders sein, bevor hier alles in die Luft geht.“

Menschlichkeit und Liebe prägten den vierten Poetry Slam. Cedric Hebestreit aus Fritzlar hatte sich am Samstag spontan gemeldet und trug eine Liebesbotschaft für seine Lara vor. Wenn er die Wahl hätte zwischen „100 Jahre ohne dich und einen Tag mit dir“, nimmt er lieber den einen Tag. „Denn sterben muss ich auch ohne dich.“

Mit dem süßen Märchen „Duplo und die Milchschnitte“ schaffte es Lippi Punkstrumpf ins Finale. Voller Klischees und Witz war Ann-Christin Wahlens Text über den Versuch, richtig männlich zu werden. Die gebürtige Schwalmstädterin geht nicht mehr zum Yoga, sie geht ins Fitnessstudio „Pumpen“. Aus dem Supermarkt schleppt sie Toast, Underberg, Scheibenbtabletten und Kondome. Der Versuch endete mit einem ausgepumpten Magen und für Wahlen im Finale. Dort gaben alle drei Frauen Gas. Applaus gab es für alle. So viel und so gleich verteilt, dass es drei Sieger geben musste. Darauf ein Stück Schokoladenschwein.

• Termin: Die fünfte Auflage des Poetry Slam ist für Samstag, 24. Juni, geplant. Wo sich die Dichter dann messen, steht noch nicht fest.

Quelle: HNA

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