Parlamenten im Schwalm-Eder-Kreis: Frauenquote weit unter 20 Prozent

Parlamente im Schwalm-Eder-Kreis: Frauenquote weit unter 20 Prozent

Carmen Abel

Schwalm-Eder. Nicht eine Bürgermeisterin gibt es im Schwalm-Eder-Kreis. Auch die Parlamentsvorsteher sind fast ausschließlich männlich. Nur in Ottrau und Willingshausen steht eine Frau dem Parlament vor, das sind zwei von 27.

In den Stadtverordnetenversammlungen und Gemeindevertretungen trifft man insgesamt auf wenige Frauen. Der Anteil von Frauen in Parlamenten beträgt nach HNA-Recherchen bei 16,46 Prozent, in den Gemeindevorständen und Magistraten bei 13,48 Prozent.

„Ich finde das schade“, sagt Carmen Abel, SPD-Stadtverordnete in Gudensberg. „In den Parlamenten fehlt einfach eine Vielfalt an Sichtweisen.“ Schlusslichter sind die Stadt Schwarzenborn und die Gemeinde Ottrau. Dort sitzt im Parlament jeweils nur eine Frau. „Ich bin über diesen Anteil erschrocken“, sagt Schwarzenborns Bürgermeister Jürgen Kaufmann., „aber es ist sehr schwer, Frauen für die Kommunalpolitik zu gewinnen.“ Das sei wie eine Spirale, findet Carmen Abel. Wenn wenige Frauen im Parlament sitzen, hätten noch weniger Frauen Lust mitzumachen, „Man möchte mit Menschen zusammenarbeiten, die gleiche Interessen haben.“

Karl-Chr. Schelzke

Erschüttert von den Zahlen ist auch Karl-Christian Schelzke Geschäftsführer des Hessischen Städte- und Gemeindebundes. „Für Gesamthessen kann ich das nicht feststellen. Vielleicht sind traditionelle Rollenbilder auf kommunaler Ebene noch stärker vorhanden.“ Auch im Kreistag, der am Montag erstmals tagt, sieht es nicht besser aus. 22,5 Prozent der Abgeordneten sind weiblich. Zum Vergleich: Im Bundestag beträgt der Frauenanteil 32,8 Prozent. Eine Quote wäre eine Lösung, dafür müssten aber mehr Frauen antreten, so Carmen Abel.

Bei den Spitzenreitern Bad Zwesten, Gudensberg und Körle liegt die Quote zwischen 25 bis 27 Prozent. „Von 50 Prozent sind wir noch weit weg“, sagt Körles Bürgermeister Mario Gerhold. „Wir haben in der CDU- und SPD-Fraktion rege Frauengruppen. Diese Frauen sind einfach gut organisiert und werden stark in die Gemeindepolitik eingebunden.“ In Hessen gibt es 414 Bürgermeister, davon sind zehn Prozent Frauen. „Die Tendenz ist aber steigend“, sagt Schelzke.

Der geringe Frauenanteil ist das eine, der fehlende Nachwuchs in den Parlamenten das andere. Das Durchschnittsalter liegt nach eigenen Berechnungen bei 45 bis 50 Jahren. Schlusslicht ist Melsungen mit fast 53 Jahren, vor Schwalmstadt, Frielendorf, Homberg und Niedenstein. „Wir haben nicht nur das Problem, Frauen für die doch eher zähe Kommunalpolitik zu finden, sondern junge Leute“, sagt Jürgen Kaufmann. Schwarzenborn hat mit einem Durchschnittsalter von 40,6 Jahren das jüngste Parlament.

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare