Zu Gast: Aktivistin Irmela Mensah-Schramm

Als Politputze gegen Nazi-Parolen

Irmela Mensah-Schramm Foto: Rose

Trutzhain. Hass-Schmierereien und Nazi-Parolen sind Irmela Mensah-Schramm ein Dorn im Auge. Und dagegen geht die Berlinerin seit 1986 massiv vor. Schramm ist mit Nagellackentferner, Spachtel, Küchenmesser, Schraubenzieher, Dispersionsfarbe und Leiter unterwegs. „Mit Nichtstun kann nichts erreicht werden – und wenn du es nicht tust, wer tut es dann?“, fragt die Berlinerin. Irmela Mensah-Schramm tut auch in Schwalmstadt etwas: Am Mittwochabend erzählte sie von ihrem Engagement in der Gedenkstätte in Trutzhain, tags darauf ging sie mit jungen Leuten der Schule im Ostergrund durch die Stadt, um mit ihnen fremdenfeindliche Aufkleber zu entfernen.

Die Aktivistin für Menschenrechte muss nie lange suchen: „All die menschenverachtenden Hassparolen sind unübersehbar angebracht, gerichtet gegen alles, was anders aussieht, spricht, denkt und lebt“, sagt sie. Vor der Wende beschränkte sie ihren Touren auf West-Berlin, nach der Grenzöffnung ist sie bundesweit als „Politputze“ unterwegs. Nicht selten wird Mensah-Schramm von der Polizei mit dem Vorwurf der Sachbeschädigung konfrontiert: „Ich halte allen Kritikern entgegen, dass man das, was bei den Hassbeseitigungsaktionen beschädigt wird, noch reparieren kann – die verletzte Menschenwürde jedoch nicht“, erklärt sie. „Ich lasse es nicht zu, dass Toleranz durch Tolerierung von Intoleranz missbraucht wird. Meinungsfreiheit hat Grenzen: Sie endet, wenn Hass und Menschenverachtung beginnt.“

All ihre Putztouren dokumentiert die 67-Jährige. Bis zu 300 Aufkleber an einem Tag seien keine Seltenheit, sagt sie. Ihre Dokumentation umfasst 13 100 Fotos. „Meine Sammlung ist größer als die des Verfassungsschutzes“, erklärt Mensah-Schramm. „Aber sie beschränkt sich nicht auf die Wahrnehmung des Hasses um uns herum, sondern dokumentiert zugleich mein Bedürfnis, dagegen vorzugehen, vor Ort Hassparolen unverzüglich zu beseitigen.“ Dafür nehme sie Unverständnis, Hass, Bedrohungen und Strafanzeigen in Kauf. Denn sie sei nicht bereit, sich mit der Gleichgültigkeit ihrer Mitmenschen abzufinden.

Deshalb habe sie angefangen, junge Menschen auf ihre Touren mitzunehmen. Einzige Auflage: „Nicht mit Gegenhass antworten – Gegenhass hilft nicht gegen Hass. Und Nazi-Symbole müssen deutlich entfernt oder verändert werden.“ Was sich nicht entfernen ließe, werde übermalt – mit einem Herz. (zsr)

Quelle: HNA

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