Ein Freund und Helfer sein

Der Polizei auf der Spur: So läuft die Arbeit in der Ermittlungsgruppe

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Zusammenarbeit ist wichtig: Polizeioberkommissar Ulrich Gerlach (rechts) und Polizeioberkommissar Walter Heinz von der Ermittlungsgruppe der Polizei Homberg. 

Schwalm-Eder. Das Bild des Polizisten als Freund und Helfer hat Ulrich Gerlach schon als Jugendlicher begeistert. „Es ist noch heute mein Berufsmotto“, sagt der 51-jährige Polizeioberkommissar.

Gerlach ist in der Ermittlungsgruppe der Polizeistation Homberg unter anderem als Jugendsachbearbeiter tätig. Er wusste früh, dass er in den Polizeidienst will und begann dann auch mit 15 seine Ausbildung.

„Dafür brauchte ich damals eine Ausnahmegenehmigung des Innenministeriums“, erinnert sich Gerlach. In den 35 Jahren bei der Polizei gibt es kaum etwas, das der verheiratete Vater einer Tochter nicht gesehen hat. Als ehemals jüngster Polizeibeamter Hessens feierte er seinen 18. Geburtstag an der Startbahn West. Er war unter anderem bei der Kripo am Flughafen Frankfurt, beim Überfallkommando in Kassel und in der Drogenbekämpfung.

Neben all den Delikten, die er und seine Kollegen bearbeiten, ist Gerlach auch als Jugendsachbearbeiter tätig.

Sind Kinder, Jugendliche und Heranwachsende in Straftaten verwickelt, dann ist er der erste Ansprechpartner. Auch Aufklärungsarbeit an Schulen und in Jugendhilfeeinrichtungen gehören zu seinen Aufgaben. In letzter Zeit nehme auch die Arbeit mit minderjährigen Flüchtlingen einen großen Teil der Zeit ein, sagt der Polizeioberkommissar.

Geduld, Verständnis und Menschlichkeit seien bei dieser Arbeit die wichtigsten Eigenschaften. „Wichtig ist es, die Kinder und Jugendlichen nicht gleich zu kriminalisieren“, sagt Gerlach. Man müsse auch die Ursachen und die Auslöser betrachten.

Wichtige Präventionsarbeit

„Wir wollen verhindern, dass Jugendliche im Gefängnis landen“, so Gerlach. Aber manche, so die Erfahrung des 51-Jährigen, würden es erst verstehen, wenn sie einmal im Knast gewesen wären. Er habe erlebt, dass Jugendliche nach dem sie einmal in Gefängnis waren, nicht wieder straffällig wurden. „Solche Erlebnisse motivieren natürlich“, sagt Gerlach. Er verschweigt aber nicht, dass diese Fälle eher die Ausnahme sind als die Regel.

Gemeinsam mit Jugendgerichtshilfe, Jugendamt und Staatsanwaltschaft könnten verschiedene Formen der Strafe angeordnet werden. Die Palette reicht von Sozialstunden über Jugendarrest bis hin zur Jugendstrafe.

Zur Bekämpfung der Jugendkriminalität sei eine gute Vernetzung und Zusammenarbeit der verschiedenen Einrichtungen und Behörden nötig.

„Im Schwalm-Eder-Kreis klappt das vorbildlich“, sagt Gerlach. Er habe viele Menschen kennengelernt, die sich aufopferungsvoll um das Wohl von Kindern und Jugendlichen kümmern. Junge Straftäter gebe es quer durch alle Schichten, allerdings seien es häufiger Jungen als Mädchen, die straffällig werden.

„Viele Jugendlichen kenne ich lange Zeit“, sagt der 51-Jährige, der sich als Ur-Homberger bezeichnet. Wichtig sei ihm, die Jugendlichen mit Fairness und Respekt zu behandeln. Das schaffe ein Vertrauensverhältnis.

Was er in seinem Job als Polizist erlebt, gehört nicht immer zu den schönen Dingen des Lebens. Dennoch sagt Gerlach: „Es ist der beste Job, den man haben kann.“

Prävention im Team

Polizeioberkommissar Ulrich Gerlach ist seit sieben Jahren Teil des PiT-Teams in Homberg. PiT bedeutet Präventionsarbeit im Team. Das Team in Homberg ist an der dortigen Hermann-Schafft-Schule im Einsatz - einer Schule für Hör- und Sehbehinderte. Zum Beispiel durch Rollenspiele soll vermittelt werden, wie es möglich ist, aus Gewaltsituationen zu entkommen, ohne Gewalt anzuwenden. PiT ist ein hessenweites Programm zur Gewaltprävention. Institutionen wie Schule, Polizei und Jugendhilfe arbeiten dabei eng zusammen, um mit Schülern der 7. und 8. Jahrgangsstufe gewaltfreies Handeln zu trainieren. 101 Schulen mit 113 Teams und 540 Teamern nehmen laut Gerlach am Programm PiT-Hessen teil. Im laufenden Schuljahr sollen laut dem 51-Jährigen an der Hermann-Schafft-Schule drei Klassen die PiT-Schulung erhalten. Je zwei Klassen lernen an jeweils sieben Projekttagen während des Unterrichts, bei einer weiteren Klasse ist es Thema einer Klassenfahrt.

Hintergrund: Ermittlungsgruppe

Die Beamten der Ermittlungsgruppe der Polizeistation Homberg bearbeiten unter anderem Delikte wie: Straftaten gegen die körperliche Unversehrtheit wie Stalking, Freiheitsberaubung, häusliche Gewalt; Diebstahl und Unterschlagung; Wohnungseinbrüche; Straftaten gegen die persönliche Freiheit; Bearbeitung von Ordnungswidrigkeiten; Abschiebungen; Branddelikte; Vermisstensachen; Jugenddelikte und vieles mehr.

Oftmals erfordern die Ermittlungsverfahren eine Zusammenarbeit mit den Kollegen im Schichtdienst, den Kommissariaten der Kriminalpolizei und dem Erkennungsdienst, aber auch noch anderen Organisationseinheiten, sagt Polizeioberkommissar Gerlach. Außerdem werden die Beamten bei Großveranstaltungen wie Hessentag oder Fußballspielen sowie zur Unterstützung im Schichtdienst eingesetzt. 

Im nächsten und letzten Serienteil stellen wir Jörg Teichert vom Kommissariat 30 und unter anderem die Rauschgiftkriminalität vor.

Quelle: HNA

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