Serie: der Polizei auf der Spur

Polizist im Streifendienst: Auch Spurensicherung gehört dazu

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Polizeistation Melsungen: Jens Peters arbeitet im Streifendienst und ist stellvertretender Dienstgruppenleiter. Foto:

Melsungen. Streifenpolizisten fahren den ganzen Tag ihren Wagen spazieren. Mit diesem Vorurteil wird Jens Peters immer wieder konfrontiert.

Der 43-jährige Polizeioberkommissar arbeitet im Schichtdienst bei der Polizeistation Melsungen.

„Wir sind diejenigen, die meistens zuerst am Einsatzort sind.“ Und dann steht für ihn nicht nur auf dem Plan, aufzunehmen, wer wem aufs Auto gefahren ist. „Wenn es brennt, müssen wir auch erste Spuren sichern und den Tatort absperren. Die Kripo kommt meist erst später.“

Wenn Peters seinen Dienst antritt, ist der Tagesablauf noch völlig offen. Zwar gibt es immer eine kurze Dienstbesprechung, „aber danach bestimmt der Bürger unseren Tag.“ Der überwiegende Teil der Einsätze seien dabei Verkehrsunfälle mit Blechschäden.

Dort heißt es dann: hinfahren, Unfallstelle sichern, Unfall aufnehmen und vor allen Dingen für die Beteiligten ein offenes Ohr haben. „Wir sind auch Seelsorger“, sagt Peters. Blechschäden sind zwar das täglich Brot des Streifendienstes, aber häufig geht es weit über das hinaus. „Ich erinnere mich an einen Unfall, bei dem ein Lkw und ein Auto frontal zusammengestoßen sind.“ Peters und sein Kollege waren zuerst am Unfallort – so wie meistens.

Jede Hilfe zu spät

„Vom Polo war nur noch die Hälfte da. Ich habe der eingeklemmten Beifahrerin die Hand gehalten, während das Blut darüber gelaufen ist.“ Sie habe vor Schmerzen geschrien. „In einem solchen Moment hofft man nur, dass der Notarzt bald kommt“, sagt Peters. Aber manchmal kommt jede Hilfe zu spät, manchmal Tage zu spät. Ein Anwohner habe erst neulich den Notruf gewählt und berichtet, dass beim Nachbarn schon tagelang das Wasser läuft. „Dann gucken wir natürlich, was dort los ist.“ Tote zu sehen, gehöre dazu und komme immer wieder vor. „Das müssen auch unsere Praktikanten lernen.“

Was die Arbeit der Polizisten häufig erschwert, sind die langen Wege im Altkreis. Für 60 Gemeinden ist die Polizeistation Melsungen zuständig. Das Gebiet erstreckt sich von Gudensberg bis kurz vor Hessisch Lichtenau. Eine Anfahrt von 20 bis 30 Minuten sei durchaus möglich. Das stoße manchmal auf Unverständnis bei denen, die den Notruf abgesetzt haben. Insbesondere dann, wenn es noch länger dauert, weil ein anderer Einsatz dazwischen kommt. „Man muss Prioritäten setzen. An erster Stelle stehen immer Menschenleben retten und Gefahren abwenden“, sagt Peters. Ein Unfall mit Blechschaden stehe dann schon einmal hinten an.

Die Wahrnehmung von Polizisten in der Öffentlichkeit habe sich zunehmend verändert. Feiernde Jugendliche gäben heute nicht mehr einfach klein bei, wenn Polizisten wegen Ruhestörung vor der Tür stünden. „Die fangen an, zu diskutieren, anstatt einfach die Musik leiser zu drehen. Niemand soll vor mir auf die Knie fallen, aber ich erwarte gegenseitigen Respekt.“

Spezialeinheit

Jens Peters engagiert sich neben seiner Arbeit im Schichtdienst auch in einer Spezialeinheit zur Drogenerkennung. Der findet nicht in seinem Regeldienst statt, wird aber vergütet. Zudem unterrichtet Peters sechs Stunden in der Woche an der Hochschule für Polizei und Verwaltung in Kassel. Die zusätzliche Zeit investiert er gern. „Der Job ist auch mein Hobby.“

Im nächsten Teil unserer Serie „Polizei auf der Spur“ stellen wir die Arbeit eines Dienstgruppenleiters auf einer Polizeistation vor.

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Quelle: HNA

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