Stanislaus Liberacki

Polnischer Kriegsgefangener: Letzte Ruhe in Loshausen

Loshausen. Das Grab von Stanislaus Liberacki liegt einsam an der Hecke des ehemaligen Loshäuser Friedhofs. Einzig ein Holzzaun schützt den verwitterten Grabstein. Ein Grabstein, der das Geheimnis eines Lebens birgt, an dessen Ende ein Selbstmord stand.

Das Grab soll jetzt einen neuen Platz finden. Die Überreste des polnischen Kriegsgefangenen werden auf dem Urnenfeld des Loshäuser Friedhofs bestattet.

Der Loshäuer Günter Franke hat sich mit dem Leben Stanislaus Liberackis beschäftigt. Ihm berichtete die 90-jährige Anna Elisabeth Völker. Die Loshäuserin war einst Magd auf dem Hof des Bauern, bei dem Liberacki als Zwangsarbeiter eingesetzt war.

Es ist belegt, dass Liberacki 1940 als Kriegsgefangener ins Stalag IX A Ziegenhain kam. Von dort wurde er als Zwangsarbeiter in ein Arbeitskommando eingeteilt.

Liberacki arbeitete auf einem Bauernhof in Loshausen. Es wird berichtet, dass er in Loshausen bei einem Landwirt arbeiten konnte, der ihn gut behandelte. Es heißt zum Beispiel, der Bauer habe ihn und einen französischen Kriegsgefangenen am Tisch mit der Familie essen lassen. Die beiden Kriegsgefangenen sollen im Stroh oberhalb des Pferdestalls geschlafen haben. Sie verfügten auch über gewisse Bewegungsfreiheit. So kam es, dass Liberacki zusammen mit anderen Polen am Wochenende öfters nach Alsfeld ging, weiß Franke zu berichten. Was der Mann dort machte, ist ihm allerdings nicht bekannt. Vielleicht habe er sich mit einer Polin getroffen, vermutet der Loshäuser, denn in Alsfeld waren 100 polnische Zwangsarbeiterinnen in einer Kleiderfabrik beschäftigt.

Der Überlieferung nach hat man Liberacki am 27. Februar 1944 am Mittagstisch vermisst. Der französische Kriegsgefangene soll losgegangen sein, um ihn zu suchen. Er fand ihn im Stall. Der 28-jährige Stanislaus Liberacki hatte sich erhängt. Über das Motiv für seinen Selbstmord ist nichts bekannt. Die anderen polnischen Kriegsgefangenen wurden befragt. Sie konnten allerdings keine Angaben zum Tod Liberackis machen.

Ein Pfarrer wurde aus Treysa nach Loshausen geholt, um den Polen zu bestatten. So fand er seine vorläufig letzte Ruhestätte in der Hecke des Friedhofs, der später entwidmet wurde. Sein Grab wurde lange Zeit von der Familie des Bauern, für den er gearbeitet hatte, gepflegt.

Von Timo Lange

Quelle: HNA

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