Neustädter Paar wegen Vergewaltigung und Freiheitsberaubung angeklagt – Freispruch aus Beweismangel

Prozess: Aus Porno wurde wohl Vergewaltigung

Marburg. Mit einem Freispruch endete ein Verfahren am Marburger Jugendschöffengericht gegen eine 19-Jährige und ihren 24-jährigen Freund aus Neustadt. Ihnen war Freiheitsberaubung und die Vergewaltigung einer damals 16-jährigen aus Stadtallendorf nicht nachzuweisen.

Die Staatsanwaltschaft warf dem Pärchen, das ein gemeinsames Kind hat, vor, die Stadtallendorferin drei Tage in ihrer Neustädter Wohnung gefangen und dort vergewaltigt zu haben. Richter Thomas Rohner sagte zur Urteilsbegründung: „Was Sie getan haben, ist im höchstem Maße moralisch verwerflich, aber juristisch nicht verwertbar“.

Im April diesen Jahres hatte sich die heute 17-jährige mit der Angeklagten und einer Freundin getroffen und war mit den beiden in die Neustädter Wohnung gefahren. Dort hatte man sich geeinigt, einen Pornofilm drehen zu wollen, bei welchem die Stadtallendorferin nackt vor der Kamera tanzen sollte. Darüber war sogar ein schriftlicher Vertrag geschlossen worden.

Die Frauen erhofften sich, damit 3000 Euro zu verdienen, die der Angeklagten, die unter Geldsorgen litt, zugute kommen sollten. „Ich wollte es nur aus Freundschaft tun“, sagte die Schülerin. Nachdem die Angeklagte aber festgestellt hatte, dass die Frau erst 16 Jahre alt war, hatte sich der Film erledigt.

Die jetzt 17-jährige sagte aus, man habe ihr anschließend das Handy abgenommen und sie in der Wohnung eingesperrt. Danach sei es zu dem sexuellen Übergriff des Paares gekommen.

„Das mit der Vergewaltigung stimmt nicht. Das ist alles mit ihrem Willen passiert“, erwiderte die Angeklagte. In einem vorausgegangenen Gespräch habe die Schülerin ihr erzählt, dass sie noch Jungfrau sei und deswegen in der Schule gehänselt würde. „Ich habe sie gefragt, ob sie damit einverstanden ist, dass mein Freund sie entjungfert. Sie hat zugestimmt.“.

Immer wieder schüttelte die 17-jährige, die vor Gericht einen völlig verstörten und ängstlichen Eindruck machte, angesichts solcher Aussagen den Kopf.

Die Angeklagte trat jedoch selbstsicher auf und schilderte mit ihrem Freund unverblümt und bis in Details den Ablauf der sexuellen Handlung. „Sie hat sich vorher sogar gebadet und kam nur mit einem Handtuch bekleidet ins Schlafzimmer, wo mein Freund schon wartete.“

Widersprüche bei Aussagen

Trotz mehrerer Versuche war der sexuelle Akt aber nicht vollzogen worden. Weil sich das mutmaßliche Opfer bei seiner Vernehmung aber in Widersprüche verstrickte, kamen Staatsanwaltschaft und Gericht zu der Überzeugung, dass die Schülerin anfangs mit der sexuellen Handlung noch einverstanden gewesen war, aber im Verlaufnicht die Kraft gehabt habe, der Forderung der Angeklagten zu widerstehen. Sie habe vielleicht eingewilligt, aber es innerlich nicht gewollt.

„Sie haben die Situation der in diesem Moment hilf- und willenlosen Schülerin schamlos ausgenutzt“, sagte Richter Rohner in Richtung des Pärchens..

Auch der Vorwurf der Freiheitsberaubung ließ sich nicht aufrechterhalten, da die Schülerin in den drei Tagen ihrer Gefangenschaft mehrere Male die Möglichkeit gehabt hatte, das Haus zu verlassen. (zaw)

Quelle: HNA

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