Vernissage: „Stühle“-Ausstellung im Holzburger Dorfmuseum noch bis Ende Oktober

Prächtiges zum Sitzen

Prunkvoll: Museumsleiter Dr. Anton Merk erklärte Sabine Grein (links) und Heike Riebeling die Kulturgeschichte des Hochzeitsstuhls. Foto: Schlitt

Holzburg. Die Inspiration kam Museumsleiter Dr. Anton Merk beim Anblick der vielen Stühle, sie sich im Inventar des Holzburger Dorfmuseums befinden: Seit Sonntag ziert eine illustre Runde aus Sitzmöbeln den Ausstellungsraum des Museums und zeigt einen kleinen, aber feinen Überblick von historischen Stühlen aus der Region.

Zur Vernissage präsentierte Merk unter anderem den prunkvollen Hochzeitsstuhl, der den Bereich der regionalen Sitzmöbel dominiert. In einer Achse wird das Auge gelenkt auf ein Gemälde von Michael Lampe, das ebenfalls einen Schwälmer Hochzeitsstuhl zeigt.

Stuhl mit Schreibfehler

So überspannen diese beiden Werke, Stuhl und Gemälde, die Schau, in die der Museumsleiter einführte: Der zentrale Hochzeitsstuhl, übrigens ein seltenes Einzelstück mit Schreibfehler, sei kein Stuhl im eigentlichen Sinn. Er sei in erster Linie das Prunkstück auf dem Kammerwagen der Einheiratenden gewesen und habe nie zum Sitzen, sondern im Schlafzimmer als Gewandstuhl gedient.

Mit starken Pfosten

Der Hochzeitsstuhl ist ein klassischer Pfostenstuhl. Kennzeichnend hierfür sind vier die Beine bildende starke Pfosten, die an den Ecken mit der Sitzfläche verzapft sind. Die aufwändigere Bauweise machte sie zu etwas Besonderem. Brettstühle hingegen fand man in jedem Haushalt. Von diesen Stühlen zieren eine ganze Reihe die Ausstellung: sehr grobe Sitzmöbel teilweise, mit Schnitzwerk in den Lehnen.

Als ihre etwas bequemerem und eleganteren Nachfolger gelten der Vogelsberger beziehungsweise der Schwälmer Stuhl. Sie sind in ihrer Ausführung dem Pfostenstuhl nachempfunden, stellen jedoch aufgrund ihrer Häufigkeit und weiten Verbreitung ab dem 19. Jahrhundert den Übergang zur industriellen Fertigung dar.

So war man schnell bei dem millionenfach verkauften Stuhlmodell Thonet Nr. 14. Der Übergang zur industriellen Fertigung war mit dem in Frankenberg hergestellten Stuhl im Jahr 1859 vollzogen. Er gilt noch heute als eines der gelungensten Industrieprodukte der Welt und er war außerdem der erste Stuhl, der flach verpackt verschickt werden konnte. Nicht millionenfach aber sehr häufig verkauft ging ein anderer Stuhl aus der Region um die Welt: der klassische Wirtshausstuhl, eine etwas bequemere Variante des Brettstuhls, entworfen und gefertigt in den 50er-Jahren des 20. Jahrhunderts in der Alsfelder Stuhlfabrik.

Symbol der Designgeschichte

Der Stuhl, sagte Merk, könne weitestgehend als Symbol der Designgeschichte dienen, und da es dem Museumsleiter gelungen war, einige typische Vertreter dieser Geschichte als Leihgabe zu erhalten, zieren Klassiker von Marcel Breuer, Charles und Ray Eames und Philippe Stark die Ausstellung. Ein Highlight unter diesen Designmöbeln ist der ausgestellte Sessel „Grand Comfort“ von Charlotte Perriand und Pierre Jeanneret für das Atelier von Le Corbusier, der heute noch jede bessere Eingangshalle ziert.

„Es ist sicherlich keine Totale“, erklärte Museumsleiter Dr. Anton Merk, „sondern eine Ausstellung aus eigenem Bestand mit dem Fokus auf Stühlen in Kombination mit den Stilen des 20. Jahrhunderts.“ Eine kleine, feine, sehr gut zusammengestellte Schau ist sie dennoch – ein Muss für Designfreunde in der Region. • Zu sehen ist die Ausstellung an jedem Sonntag bis zum 27. Oktober von 14 bis 17 Uhr sowie nach Vereinbarung unter Tel. 0 66 98/ 91 14 05 und  9 19 16. 

Von Trudi Schlitt

Quelle: HNA

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