Praxis statt Klinik: Junge Ärztin geht nach Wabern

Aus dem Trio wird ein Duo: Renate Bock (links) hat die Gemeinschaftspraxis mit Dr. Helmut Hennighausen verlassen und ist in den Ruhestand gegangen. Ihre Nachfolgerin ist Rosaria Brighina. Foto: Laumann

Wabern. Raus aus der Klinik, rein in die Praxis. Ärztin Rosaria Brighina hat sich für eine Gemeinschaftspraxis mit Dr. Hennighausen in Wabern entschieden.

„Wer kann schon von sich behaupten, sich jeden Tag auf die Arbeit zu freuen?“, fragt Rosaria Brighina. Die Antwort gibt die junge Medizinerin selbst: „Ich. Denn die Praxis hier ist ein Traum“, sagt sie. Die 34-Jährige ist bewusst von der Klinik in eine Hausarztpraxis aufs Land gewechselt. Am Freitag hat die Italienerin die Nachfolge von Renate Bock angetreten und bildet nun mit Dr. Helmut Hennighausen eine Gemeinschaftspraxis.

Seit 1982 führt Hennighausen die Praxis an der Bahnhofstraße in Wabern, seit 1992 mit Bock. Die 66-Jährige war Hausärztin mit Leib und Seele, viele Patienten sind ihr ans Herz gewachsen. „Ich habe über Generationen hinweg die Patienten versorgt. Von der Urgroßmutter bis zum Urenkel. Das ist das Spannende“, sagt Bock. Über die Jahre hätte sich die Patientenstruktur geändert. So seien die Hausbesuche deutlich zurück gegangen. „Viele Menschen sind fitter und länger mobil. Viele werden auch nicht mehr zuhause, sondern in einer Pflegeeinrichtung versorgt“, erklärt sie. Doch auch die Kinder seien seltener in der Praxis - inzwischen würden sie oft von spezialisierten Kinderärzten betreut.

Fließender Wechsel

Für Rosaria Brighina war es ein fließender Wechsel. Sie war seit September 2013 in der Praxis, hat dort einen Teil ihrer Facharztausbildung absolviert. „Die Patienten waren unglaublich offen und haben mich super aufgenommen“, sagt sie.

Raus aus der Klinik, rein in die Praxis auf dem Land. „Es war schnell klar, dass ich das machen möchte“, erklärt die junge Medizinerin. Sie erlebe die Patienten in der Praxis anders, habe mehr Zeit, mit ihnen zu reden und könne sie auf ihrem Lebensweg begleiten.

Viele ihrer Kollegen in der Klinik sehnten sich nach dem Nervenkitzel. „Den haben wir doch hier auch“, ist sich Brighina sicher und Dr. Hennighausen stimmt ihr zu. „Wir sind die erste Anlaufstelle für die Patienten und müssen gucken, ob es sich bei den Symptomen um Anzeichen für eine Kleinigkeit oder eine ernsthafte Krankheit handelt. Wir sind Chefarzt, Oberarzt und Assistenzarzt in einer Person.“

Brighina findet, dass der Ärztejob auf dem Land immer attraktiver wird. Dazu habe auch die Neuordnung des Notdienstes beigetragen.

„Als ich 1982 anfing, haben drei Ärzte den Notdienst gestemmt. Jetzt sind wir 80 Kollegen, die sich die Dienste teilen“, erklärt Dr. Hennighausen.

Zur Person

Rosaria Brighina (34) ist Italienerin und in Darmstadt geboren. Nach ihrem Studium in Marburg hat sie in einem Frankfurter Krankenhaus in Abteilungen für Urologie und Onkologie gearbeitet, ehe sie in einer Klinik in Alsfeld in der Inneren Medizin eingesetzt war. Seit September 2013 arbeitet sie in der Praxis von Dr. Helmut Hennighausen in Wabern. 2015 hat sie ihren Facharzt in Allgemeinmedizin gemacht. Brighina ist verheiratet und hat ein Kind.

Quelle: HNA

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