Helmut Kohls Sohn Walter war in der Homberger Stadthalle zu Gast

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Nachdenklich und gut gelaunt: Walter Kohl las in Homberg aus seinem Buch und beantwortete viele Fragen der 250 Besucher.

Homberg. Da kommt er auf die Bühne, der Sohn vom Kohl: Weißes Hemd, kariertes Sakko, etwas Bauch. Hat er das Gesicht des Vaters, die Stimme? Diese Fragen drängten sich auf, als Walter Kohl in der Homberger Stadthalle auftrat.

Und genau das war jahrzehntelang sein Problem, wie er eindrucksvoll schildert. Walter war immer nur „der Sohn vom Kohl“ und nie er selbst.

In Homberg las Kohl nun aus seinem Buch „Leben oder gelebt werden“ und beantwortete viele Fragen aus dem Publikum. Es wurde ein spannender Abend mit einem gut gelaunten, durchaus charmanten und schlagfertigen Gastgeber.

Es war eine Frage seines damals fünfjährigen Sohnes, die Walter Kohls Weg veränderte. Die Parteispendenaffäre belastete die Familie, Hannelore Kohl war in den Freitod gegangen und Walters Ehe stand vor dem Ende. Da fragte der Sohn unvermittelt eines Tages: „Papa, ist das Leben schön?“

Walter Kohl entdeckte das Stichwort Versöhnung für sich, gemeint ist vor allem die Versöhnung mit sich selbst. Viele Gespräche mit Freunden, aus denen ein Vortrag wurde, aus dem ein Buch wurde – das ist die Vorgeschichte.

Die Belastung, immer nur „der Sohn vom Kohl“ zu sein, macht er in seinem Buch eindrucksvoll an Beispielen deutlich.

Es ist kaum auszumalen, wie sich ein 13-Jähriger fühlen muss, dem in der Hochzeit des RAF-Terrors eröffnet wird, ein wahrscheinliches Szenario sei, dass er – Walter – entführt werde. Und man habe sich geeinigt, in diesem Fall ein Lösegeld zu zahlen, allerdings maximal fünf Millionen Mark. Es war, wie Kohl sagt, „das Preisschild auf meinem Leben“.

Mucksmäuschenstill war es, als Walter Kohl von dem Tag im Jahr 2001 erzählte, als er von der Büroleiterin seines Vaters über den Selbstmord der Mutter informiert wurde und sofort nach Oggersheim fuhr. Beeindruckend schilderte er den Moment, in dem er am Bett der toten Hannelore Kohl saß.

Kohl gab viele Einblicke in ein Leben, das Außenstehende kaum nachfühlen können. Von den Polizisten um das Haus über die Schmähungen in der Schule bis hin zum Versuch, einen neuen Job zu finden und der Absage der Headhunter, mit dem Namen Kohl wollten sie nicht in Verbindung gebracht werden.

Versöhnung ist das Rezept, mit dem er den Ausweg aus der Krise fand. Zum Vater gebe es kaum Kontakt, aber er könne das jetzt akzeptieren.

Am Ende stand auf der Bühne in Homberg für die Zuhörer nicht mehr der Sohn vom Kohl, sondern ein ganz anderer: Walter Kohl.

Quelle: HNA

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