Polizeipräsidium Nordhessen 

Erstmals Probe-Sporttest der Polizei in Kassel: HNA-Redakteure stellten sich 

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Carolin Hartung (Zweite von links), Max Bülau und Linett Hanert stellten sich den vier Disziplinen Achterlauf, Fünfersprung, Bankdrücken und Pendellauf. Marc Leimbach (links), Einstellungsberater bei der Polizei, unterstützte die Veranstaltung vor Ort und nahm die Zeiten.

Zum ersten Mal hat das Polizeipräsidium Nordhessen einen Probe-Sporttest für künftige Polizeianwärter angeboten. 34 Teilnehmer waren dabei, um sich  auf den richtigen Einstellungstest in Wiesbaden vorzubereiten. Wie schwer der Test ist, wollten auch drei HNA-Redakteure wissen.

Am Ende sind es nicht einmal zehn Minuten Sport, die hinter den Teilnehmern des Probe-Sporttests vom Polizeipräsidium Nordhessen liegen. Aber es sind schweißtreibende Minuten – und der Muskelkater ist garantiert. Während es für die HNA-Kolleginnen Linett Hanert und Carolin Hartung nur darum geht, die eigene Fitness zu testen, geht es für Christopher Mayer (20) und Marlin Kohl (19, beide Fuldatal) um mehr. Die beiden Abiturienten nutzen den ersten Probe-Sporttest für künftige Polizeianwärter als Generalprobe vor dem richtigen Einstellungstest. Die Nachbarn wollen nach dem Abitur zur Polizei, aber die Angst vorm Sporttest sitzt ihnen im Nacken. „Vor dem Achterlauf habe ich den meisten Respekt“, sagt Mayer. „Ich glaube, das ist richtig anstrengend.“ Und damit sollte er Recht behalten.

Beim Achterlauf: HNA-Redakteurin Carolin Hartung (31) taucht durch einen Kasten, um sich dann aus der Bauchlage hochzustemmen und los zu rennen – das muss insgesamt fünf Mal wiederholt werden.

Zehn Mal unter einem Kasten durchtauchen, immer wieder aus der Bauchlage nach oben stemmen, rennen, hinsetzen und wieder tauchen. Was die ersten drei Runden noch ganz leichtfüßig klappt, wird mit einem Schlag zur Qual. In den letzten beiden Runden fühlen sich die Oberschenkel wie tonnenschwere Klötze an. Während sich Linett Hanert auf der Matte eine Pause gönnt, von der sie auch die motivierenden Zurufe von Polizist und Zeitnehmer Marc Leimbach nicht abhalten können, quält sich Kollegin Hartung noch rechtzeitig ins Ziel. Die Zeit ist knapp berechnet. Beim richtigen Sporttest, der in Wiesbaden stattfindet, wäre Linett Hanert mit 1:43 Minuten schon raus. Frauen dürfen nicht langsamer als 1:20 Minuten sein. Bei den beiden Fuldatalern läuft der Achterlauf enttäuschend. „Das geht wirklich nicht ohne Training“, stellt Kohl anschließend fest. Sie reitet und joggt in ihrer Freizeit. Auch Mayer schafft’s nicht in der vorgegebenen Zeit.

Beim Bankdrücken: HNA-Redakteurin Linett Hanert (24) gibt auf, bevor es überhaupt richtig angefangen hat.

Die Zeit spielt beim Bankdrücken keine Rolle. Lediglich die Kraftausdauer ist gefragt. 20 Kilo gilt es für die HNA-Redakteurinnen zu stemmen. Für Linett Hanert eine unlösbare Aufgabe. Noch nie in ihrem Leben hatte sie eine Hantel in der Hand. In dem Moment, als Yvonne Winter, Kriminalhauptkommissarin und Einstellungsberaterin, die Hantel loslässt, damit Kollegin Hanert loslegen kann, ist es auch schon vorbei. Die Arme wollen die Hantel nicht heben. Damit ist der Test für sie gelaufen. Besser läufts bei Kollegin Hartung. 30 Wiederholungen sind drin. Wahrscheinlich auch, weil Yvonne Winter mit Worten wie „einer geht noch“ äußerst gut motiviert.

Einstellungsberater Volker Schulz beim Fünfersprung. Sein eigener Test liegt 40 Jahre zurück.

Obwohl Linett Hanert schon längst durchgefallen wäre, rafft sie sich zur nächsten Disziplin auf – dem Fünfersprung. Das geht gut – beide bestehen. Die Redakteurinnen springen aus dem Stand mit fünf Sprüngen über neun Meter weit. Klar im Vorteil sind allerdings Teilnehmer mit längeren Beinen. Zum Schluss geht es noch mal ans Eingemachte: Der 500-Meter-Pendellauf. Zwischen zwei Hütchen, die 25 Meter weit auseinander stehen, gilt es, zehnmal hin- und her zu laufen. Für Carolin Hartung nichts leichter als das. Sie schafft es in Bestzeit, 2:15 Minuten, und damit hätte sie den Sporttest mit insgesamt über 170 Punkten gut bestanden. Bei Redakteurin Hanert ist der Pendellauf mit 2:34 eine knappe Sache, aber geschafft. Frauen dürfen nicht langsamer als 2:47 Minuten sein. Für Kohl und Mayer hat es nicht gereicht. Beide wollen weiterhin zur Polizei, werden sich aber zur Vorbereitung für den Test im September im Fitnesstudio anmelden. Für die HNA-Redakteurinnen geht es wieder an den Schreibtisch, sie drücken lieber die Tastatur als die Bank.

Wollen zur Polizei: Marlin Kohl (19) und Christopher Mayer (20) aus Fuldatal.

Probe-Sporttest der Polizei bald auch im Landkreis Schwalm-Eder

Erstmals fand vom Polizeipräsidium Nordhessen ein Probe-Sporttest für Polizeianwärter in Kassel statt. Für den richtigen Eignungstest über zwei Tage müssen Bewerber auch weiterhin nach Wiesbaden fahren. Der Probe-Sporttest sei eine weitere Offensive gegen den Nachwuchsmangel bei der Polizei, erklärt Matthias Mänz, Sprecher der Polizei. Beim Probe-Sporttest in Kassel haben 34 Menschen teilgenommen, darunter 21 Männer und 18 Frauen aus ganz Nordhessen. Zuvor hatten die Bewerber ein Beratungsgespräch bei Yvonne Winter, Kriminalhauptkommissarin. Den Probetest haben 17 mögliche Bewerber bestanden. „Bei den anderen hat die Punktzahl nicht ausgereicht“, sagt Mänz. Für sie sei der Test eine gute Möglichkeit, zu sehen, wo ihre Schwächen liegen, um diese dann trainieren zu können, sagt er. Der Test wird in Zukunft auch an den Außenstellen des Polizeipräsidiums Nordhessen, wie beispielsweise im Schwalm-Eder-Kreis, angeboten. Um dem Nachwuchsmangel entgegenzuwirken, hat das Land Hessen zwei Kriterien gelockert: Das Höchstalter für Anwärter beträgt mittlerweile 36 Jahre und die Mindestgröße wurde auf 1,55 Meter festgesetzt, erklärt Mänz.

Polizei Hessen sucht Nachwuchs - Einstellungstest im September

2020 sollen in Hessen bis zu 1100 Menschen bei der Polizei eingestellt werden, erklärt Matthias Mänz, Sprecher des Polizeipräsidiums Nordhessen. 2019 waren es 948. „Wir sind zuversichtlich, dass wir auch 1100 Stellen besetzen können“, sagt Mänz. Im Einstellungsjahr 2019 gingen hessenweit 8275 Bewerbungen ein. Im Jahr 2018 waren es sogar 9087 Bewerbungen, im Jahr 2017 waren es allerdings rund 1000 Bewerber weniger. Gerade in Nordhessen würden in den kommenden Jahren die personalstarken Jahrgänge in den Ruhestand gehen, sagt Mänz. „Wir haben Bedarf.“ Außerdem sei die Mindestverweildauer für die Breitschaftspolizei in Frankfurt kürzer geworden. „Die Chancen, nach kurzer Zeit wieder zurück nach Nordhessen zu kommen, stehen also gut“, sagt er.

Eignungstest der Polizei Hessen: 30 Prozent der Bewerber schaffen es

Der zweitägige Eignungstest für Polizeianwärter in Wiesbaden besteht aus einem Computer- und Sporttest sowie einer Gruppenaufgabe und einem Einzelinterview. Am zweiten Tag steht eine polizeiärztliche Untersuchung an. Beim PC-Test werden Mathe- und Deutschkenntnisse sowie Allgemeinwissen abgefragt. Bei diesem Test scheitern etwa 50 Prozent der Bewerber. Von diesen 50 Prozent scheitern dann wiederum etwa 15 Prozent beim Sporttest. „Und von diesen anschließend etwa 20 Prozent bei den Einzelinterviews“, erklärt Mänz. Im Schnitt schaffen es von allen Bewerbern etwa 30 Prozent.

Die Polizei in Hessen wirbt künftig mit mehr Gehalt für Nachwuchs. Das erwartet die Polizeianwärter in Zukunft.

Quelle: HNA

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