Konrad Selentschik (61), Leiter der Georg-August-Zinn-Schule, geht in Ruhestand

Prophet im eigenen Land

Leidenschaftlicher Lehrer: Konrad Selentschik wechselte von der Neukirchener Grundschule nach Röllshausen, wo er später Schulleiter wurde. Foto: Rose

Röllshausen. Wenn Konrad Selentschik eine Stellenbeschreibung für die Georg-August-Zinn-Schule in Rölls- hausen formulieren müsste, dann wäre darin zu lesen: Der Bewerber muss unterrichten, verwalten, improvisieren und repräsentieren können – und körperlich hart mitarbeiten. Alle Aufgaben hat Schulleiter Konrad Selentschik 25 Jahre ausgefüllt: Morgen, am 17. Juni, wird der 61-Jährige in den Ruhestand verabschiedet.

Der gebürtige Röllshäuser arbeitete nach seinem Referendariat zunächst in Neukirchen, bevor er 1986 an die Schule seines Heimatortes wechselte. „Eigentlich wollte ich nicht dort unterrichten, wo ich wohne, aber mein Vorgänger und meine Frau haben mich überzeugt“, erzählt Selentschik.

Quasi der Prophet im eigenen Land zu sein, brachte Vor- und Nachteile mit sich. „Die schnelle Kommunikation war sicher ein Vorteil, aber man war auch schnell erreichbar für Kritik“, sagt der 61-Jährige. Wenn tatsächlich mal Schüler an seiner Tür geklingelt hätten, dann sei der Besuch meist freundlich gewesen: „Einer stand mal in der Badehose da und wollte einen Gruß loswerden.“ Was dem Röllshäuser stets am Herzen lag, war der Erhalt der kleinen Schule: „Die Veränderung des Schulbezirkes 1994 war ein Glücksfall, denn seitdem kommen auch die Holzburger Kinder nach Röllshausen.“ Heute besuchen 60 Kinder die kleine Schule. Konrad Selentschik sagt von sich: „Ich würde meinen Erziehungsstil als kooperativ und demokratisch beschreiben.“

Dass sich die Schüler in den vergangenen 25 Jahren verändert haben, kann Selentschik nicht bestätigen: „Wohl hat sich ihre Kindheit verändert, aber heute sind Schüler nicht begabter oder unbegabter als früher“, ist der Lehrer überzeugt.

Tafel muss sein

Und auch wenn die Schüler heute schon in der Grundschule mit dem Computer arbeiten: „Der PC ersetzt längst nicht die Tafel“, sagt Selentschik. Handschriftlich füllt der Lehrer die Schulchronik, Geschichte und Geschichten zu dokumentieren ist ein großes Hobby. Seit 1980 hat der 61-Jährige an Broschüren, Faltblättern und Büchern über seinen Heimatort und die Schwalm mitgearbeitet. Auch engagierte sich der Röllshäuser in der Kommunalpolitik und in Vereinen.

Für den Ruhestand gibt es schon Pläne. Es stünden Reparaturen im Haus an, außerdem will der Pensionär Material zum Thema Vertriebene und Evakuierte in Röllshausen sortieren. „Und ich freue mich aufs Reisen“, sagt Selentschik. Der Rhythmus werde sicher schnell ein anderer werden: „Ich werde nicht mehr auf- und abschließen, ich bin ja nicht mehr der Chef.“

HINTERGRUND

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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