Für bessere Zahngesundheit

Prophylaxe auch im Heim: Kooperation zwischen Zahnärzten und Altenzentrum

+
Bessere zahnärztliche Versorgung auch für Bewohner des Pflegeheims: Das soll die Kooperation zwischen dem Altenpflegeheim Eben-Ezer und den drei Zahnarztpraxen in Gudensberg garantieren. Der Vertrag gilt für zunächst drei Jahre. Auf dem Foto von links Pflegeleiter Wilfried Baumann, Dr. Rüdiger Oesterheld, Dr. Karl-Heinz König, Heimleiter Walter Berle, Dr. Ute Gillessen, Sabine Drunk-Brinkmann und Dr. Uwe Brinkmann.

Gudensberg. Die Zahngesundheit ist besonders im Alter wichtig für die Lebensqualität, häufig auch für die Gesundheit. Nur wer gesunde Zähne und gut angepassten Zahnersatz hat, kann problemlos essen.

Das gilt besonders für pflegebedürftige, teilweise demente und nicht mehr mobile Heimbewohner, die nicht mehr selbst zum zahnarzt gehen können.

Um diesem Problem zu begegnen, haben sich in Gudensberg die drei örtlichen Zahnarztpraxen per Kooperationsvertrag verpflichtet, die Bewohner des Altenpflegeheimes Eben-Ezer regelmäßig zahnärztlich zu versorgen.

Ein neues Gesetz macht das organisatorisch und finanziell möglich (siehe Hintergrund). Die Kooperation wird von den Pflegekassen, der Wohlfahrtspflege und der Zahnärztekammer unterstützt. „Wir sind regional mit die ersten, die diese Möglichkeit auch tatsächlich umsetzen“, betonte Heimleiter Walter Berle bei der Vertragsunterzeichnung.

150 Männer und Frauen leben zurzeit in dem Pflegebereich des Altenzentrums und sollen ab 1. August von den drei Praxen betreut werden. Geplant ist zunächst die regelmäßige zahnärztliche Untersuchung zweimal jährlich. Dafür kommen die Zahnärzte in das Pflegeheim und schauen sich die Patienten an. „Da alle Gudensberger Praxen beteiligt sind, ist für die Betroffenen die freie Arztwahl garantiert“, sagt Berle.

Die regelmäßige Prophylaxe, die für die Zahngesundheit besonders wichtig sei, habe man bisher stiefmütterlich behandelt bei Heimbewohnern, sagte Berle. „Was macht ein dementer Mensch, wenn er Beschwerden hat im Mund, sich aber nicht dazu artikulieren kann?“, sei die Frage, auf die man mit der Kooperation eine Antwort gefunden habe.

Sehr wichtig für eine bessere Versorgung sei die Schulung des Pflegepersonals im Heim, betonten die Gudensberger Ärzte. Das könnten die Zahnärzte übernehmen. Auch die zahnmedizinischen Daten müssten gesammelt und verwaltet werden.

Dr. Rüdiger Oesterheld, der an einer Studie über das Kosten/Nutzen-Verhältnis solcher Prophylaxe in Heimen teilnimmt, ist überzeugt, dass dadurch die Kosten der Kassen für Zahnbehandlung und -ersatz sinken und gleichzeitig das Wohlbefinden der Heimbewohner steigen werden.

Zunächst sollen Erfahrungen gesammelt werden. „Wir fangen gerade erst an, alles steckt noch in den Kinderschuhen“, sagt Walter Berle.

Neues Gesetz ist Kooperations-Grundlage 

Die Verbesserung der medizinischen ärztlichen wie zahnärztlichen Versorgung von Pflegebedürftigen war ein wichtiges Ziel des Pflege-Neuausrichtungs-Gesetz der Bundesregierung aus dem Jahr 2012. Auf dieser Basis werden die Kassenzahnärztlichen Vereinigungen verpflichtet, einen Kooperationsvertrag zwischen Pflegeheim und Zahnärzten nicht nur anzustreben, sondern zu vermitteln. Zahnärzte erhalten eine zusätzliche Vergütung für die aufsuchende Versorgung von Pflegebedürftigen und Menschen mit Behinderungen, die eine Zahnarztpraxis aufgrund ihrer Pflegebedürftigkeit der Behinderung nicht oder nur mit hohem Aufwand aufsuchen können.

Mit dem neuen Gesetz wird diese Vergütung auf die Betreuung von immobilen Personen mit erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz ausgeweitet. (Quelle: Bundesgesundheitsministerium)

Von Ulrike Lange-Michael

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare