Opfer erlitt Hämatome, Schürfwunden und Prellungen

Streit um Pudel eskalierte: Mann soll Frau Hundeleine umgelegt haben

Treysa. Auch wenn kürzlich vor dem Amtsgericht in Treysa eigentlich wegen Körperverletzung verhandelt wurde, ging es im Grunde doch um den Hund – und dies buchstäblich.

Ein 60-jähriger Rentner aus dem Altkreis Ziegenhain musste sich nämlich wegen eines handfesten Streits um einen Pudel vor Gericht verantworten. Überraschenderweise beantragte das vermeintliche Tatopfer – eine 61-Jährige – erst im Gerichtssaal die Zulassung als Nebenklägerin. Dem handschriftlich verfassten Antrag gab der Richter nach kurzem Blick ins Gesetz statt. So konnte die Frau den Prozess von Beginn an mitverfolgen und musste nicht wie üblich als Zeugin zunächst vor der Tür warten. Laut Staatsanwalt hatte der Angeklagte die 61-Jährige vor einem Jahr nach einem Streit an der Haustür mit Händen, Fäusten und einer Hundeleine traktiert. Im Verlauf der Auseinandersetzung habe der 60-Jährige Hände und die Hundeleine um den Hals der Frau gelegt und geschrien „Ich bringe dich um, ich bringe dich um“, so der Anklagevertreter. Bei dem Angriff erlitt das Opfer Hämatome, Schürfwunden und Prellungen.

Der Angeklagte war trotz des schweren Tatvorwurfs ohne Anwalt gekommen. Er könne nur sagen, dass das alles nicht wahr sei, so der rüstige Rentner: „Es ist erlogen, Geschwätz und Fantasie. Ich habe der Frau kein Haar gekrümmt.“ Er habe an dem Tag den Hund abholen wollen, so der Mann weiter: „Es ist ja mein Hund.“ Auf die Frage des Gerichts, worum es denn bei dem Streit überhaupt ging, antwortete der 60-Jährige seufzend: „Es geht nur um den Hund, es geht immer nur um den Hund.“ Später kam heraus, dass der Pudel schon einmal Thema vor Gericht war. Damals wurden die Besitzverhältnisse aber nicht eindeutig geregelt. Beide, der Mann wie auch die Frau, beanspruchten das Tier weiterhin für sich. Sie habe den Hund 2012 von einer Züchterin gekauft und könne das auch belegen, so die 61-Jährige. Da die Frau ein Tierhaltungsverbot auferlegt bekommen habe, sei er vom Veterinäramt zum Halter erklärte worden, erwiderte daraufhin der Angeklagte.

Auf Nachfrage des Gerichts machte die Frau deutlich, dass sie am Tattag nicht damit einverstanden gewesen sei, dass der Angeklagte den Hund an sich nahm. Der 60-Jährige sei aggressiv aufgetreten, so die Zeugin: „Er hatte einen irren Ausdruck in den Augen.“

Dass die Frau den dramatischen Vorfall erst Wochen später zur Anzeige brachte, irritierte nicht nur das Gericht. Sie habe sich auf Anraten ihres Anwalts dazu entschlossen, erklärte die Zeugin.

Im Prozess wurde eine Menge schmutziger Wäsche gewaschen, und auch enttäuschte Liebe spielte wohl eine Rolle. Während der Angeklagte von einem Techtelmechtel sprach, meinte die 61-Jährige, einen Heiratsantrag bekommen zu haben. Das Verhältnis habe doch nur wegen des Hundes bestanden, so der Rentner schulterzuckend. Da durch die Mitnahme des Hundes der Tatverdacht des Raubes im Raum stand, verwies der Richter den Fall auf Antrag der Staatsanwaltschaft an das Schöffengericht. Vielleicht kommt dann dort des Pudels Kern – die Wahrheit – zum Vorschein.

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion