Prozess am Amtsgericht in Schwalmstadt

Mann muss nach häuslicher Gewalt 1000 Euro an Frauenhaus zahlen

Treysa. Wegen häuslicher Gewalt musste sich kürzlich ein 52-jähriger Mann aus dem Altkreis Ziegenhain vor dem Amtsgericht in Schwalmstadt verantworten. Mit gesenktem Kopf verfolgte der Altenpfleger den Prozess.

Laut Anklage hatte sich der 52-Jährige im vergangenen Sommer mit Gewalt Zutritt zu der Wohnung seiner von ihm in Trennung lebenden Ehefrau verschafft. Dabei habe er die 47-jährige Erzieherin nicht nur sehr fest an den Unterarmen gepackt, sondern mit einer Hand auch am Hals, so die Staatsanwaltschaft. Bei dem Angriff zog sich die Frau Hämatome zu und hatte nach eigenen Angaben Schmerzen an Hals und Schlüsselbein. Auch die erwachsene Tochter trug bei dem Streit Prellungen an den Armen davon.

Er habe lediglich seine Wohnung betreten wollen, erklärte der Mann. Ein Anrecht darauf hatte er nicht. Das Haus gehört dem Ehepaar bis heute zu gleichen Teilen und erst einen Tag vor der Tat hatte das Familiengericht entschieden, dass ausschließlich die Erzieherin das Erdgeschoss gemeinsam mit Sohn und Tochter nutzen dürfe.

Der Angeklagte war augenscheinlich über seinen folgenreichen Gewaltausbruch selbst zutiefst erschrocken. Er könne sich nicht erklären, was damals in ihn gefahren sei: "Gewalt ist keine Lösung." Er habe zeigen wollen, wer der Stärkere sei, kommentierte der Richter die hilflosen Erklärungsversuche des 52-Jährigen: "Das ist dann eskaliert."

Ihr Noch-Ehemann klopfte an dem Morgen des Streits an die Tür und stürmte wortlos rein, erinnerte sich die 47-jährige Ehefrau. Sie sei etwas lauter geworden und habe ihm gesagt, dass die Wohnung ihr zugesprochen worden sei, berichtete die selbstbewusst wirkende Erzieherin: "Er hat mich an den Hals gegriffen und weitergeschoben." Es sei zu keinen weiteren Vorfällen dieser Art gekommen, so die Frau auf Nachfrage der Staatsanwaltschaft: "Er lässt mich jetzt so weit in Ruhe."

Die Tochter des Ehepaars bestätigte die Aussage ihrer Mutter. Sie sei zunächst in ihrem Zimmer gewesen und habe dann den lauten Streit gehört, erinnerte sich die 21-jährige Studentin: "Ich sah, wie mein Vater meine Mutter am Hals weggeschoben, aber nicht gewürgt hat", und weiter, "Ich hatte schon echt wirklich Angst um meine Mutter und war total erschrocken, weil ich das noch nie gesehen habe." Später erzählte die Zeugin dem Gericht, dass ihr Vater zwar manchmal lauter werden konnte, aber bis zu diesem Zeitpunkt nie handgreiflich gewesen sei.

Da der Mann geständig war und Reue zeigte, wurde das Verfahren auf Vorschlag des Gerichts vorläufig eingestellt. Dem Angeklagten wurde auferlegt, 1000 Euro an das Frauenhaus in Homberg zu zahlen. Er solle sich den Prozess als Warnung dienen lassen, betonte der Richter: "Machen Sie nicht so einen Quatsch."

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © dpa

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