Weitere Zeugen werden gehört

Prozess vor Marburger Gericht: Schläge vor der Kneipe

Marburg/Schwalmstadt. In einer Berufungsverhandlung stand am Mittwoch ein 20-jähriger aus dem Altkreis Ziegenhain wegen gefährlicher Körperverletzung vor dem Marburger Schöffengericht.

Die Staatsanwaltschaft hatte dem jungen Mann vorgeworfen, in der Nacht zum 17. April 2010 im Zuge einer Auseinandersetzung zwischen links- und rechtsorientierten Personen vor einer Schwalmstädter Gaststätte einen anderen jungen Mann mit einem Schlag zu Boden gestreckt zu haben.

Vom Treysaer Amtsgericht war der junge Mann, der gerade seine Ausbildung zum Krankenpflegerhelfer erfolgreich abgeschlossen hat, im September vergangenen Jahres zu einer Gefängnisstrafe von sechs Monaten auf Bewährung verurteilt worden.

Bei der Schlägerei im April soll der am Boden Liegende zu seinem Pfefferspray gegriffen und dies versprüht haben.

Daraufhin habe der Krankenpflegehelfer mehrmals auf den am Boden Liegenden eingetreten. Dabei hatte der andere junge Mann Prellungen im Gesicht, einen Nasenbeinbruch und eine blutende Oberlippe davongetragen, sodass er im Ziegenhainer Krankenhaus behandelt werden musste.

Einen zweiten jungen Mann habe der Angeklagte so in die Beine getreten, dass auch dieser zu Boden gegangen war. Nach der Tat war bei dem Angeklagten eine Blutalkoholkonzentration von 1,27 Promille festgestellt worden.

Drei Tage nach der Tat war der Krankenpflegehelfer von Kripobeamten von seinem Arbeitsplatz zur Vernehmung abgeholt worden. Deshalb hatte er nun auch Angst um seinen Arbeitsplatz.

Vehement und nach Worten ringend stritt der junge Mann vor dem Marburger Schöffengericht die ihm zur Last gelegten Taten ab.

Er deutete die Anschuldigungen der Schlägereigegner, die aus der rechten Szene kämen, als Antipathie gegen seine dunkle Hautfarbe. Er selbst habe lediglich geschubst und versucht, sich gegen den Angriff der anderen jungen Männer zu verteidigen. „Ich hatte überhaupt keinen Grund, auf sie einzuschlagen. Die waren zu viert. Ich war alleine. Die hätten mich zusammengefaltet wie nichts“, sagte der junge Mann hocherregt.

Die anderen jungen Männer hätten es so hingestellt, als ob die Initiative von ihm ausgegangen sei. Sie hätten den Hergang der Schlägerei komplett umgedreht. Diese waren als Zeugen in Treysa auch gehört worden. Die Aussage seines ebenfalls bei der Schlägerei anwesenden, stark alkoholisierten, aber nicht beteiligten Kumpels sei bei der Verhandlung vor dem Amtsgericht überhaupt nicht gewertet worden. Die Verhandlung wurde auf einen späteren Zeitpunkt vertagt. Der Mann, der bei seiner Vernehmung ausgesagt hatte, dass der Angeklagte sich gewehrt habe, soll dann als Zeuge vor Gericht gehört werden. (zaw)

Quelle: HNA

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