Angeklagter und Nebenklägerin hatten Sprachprobleme

Verdacht auf sexuelle Nötigung: Prozess wurde vertagt

Fritzlar. Weil sowohl der Angeklagte als auch die Nebenklägerin nicht über ausreichende Sprachkenntnisse verfügten, wurde eine Hauptverhandlung im Amtsgericht Fritzlar wegen des Verdachts auf sexuelle Nötigung und Körperverletzung nach kurzer Zeit abgebrochen.

„Ihr Deutsch ist gut, aber für ein Gerichtsverfahren nicht ausreichend“, erklärte Richterin Corinna Eichler dem Angeklagten tunesischer Staatsangehörigkeit. Bei sexueller Nötigung sei die Mindeststrafe ein Jahr Haft, da sei es wichtig, Handlungen, Gedanken und Gefühle genau auszudrücken. Daher setzte die Richterin einen neuen Termin mit Dolmetschern an.

Der 36 Jahre alte Mann aus Kassel soll während einer Fahrt im Regionalexpress von Frankfurt nach Kassel eine 35- jährige Frau sexuell belästigt haben. Er soll sie unter ihrem Kleid am Oberschenkel und an der Brust berührt haben.

Die Frau sei aufgrund seiner Aggressivität eingeschüchtert gewesen und habe sich nicht getraut, andere Passagiere um Hilfe zu bitten. Zudem spricht sie nur etwas Deutsch. Als der Angeklagte sie in Wabern zwingen wollte, mit auszusteigen, habe sie über Blickkontakt einen Mitfahrer gebeten, ihr zu helfen. Der Mann verständigte den Zugbegleiter und dieser die Polizei.

Die Vorwürfe stimmten zum Teil, räumte der Angeklagte ein. In Frankfurt habe er die Frau angesprochen, ob er auf ihr Hessenticket mitfahren dürfe, erzählte er. Sie habe nichts dagegen gehabt. Im Zug habe er sich neben sie gesetzt und sich mit ihr unterhalten, bis sie sich weggesetzt habe. Daraufhin habe er sich erneut neben sie gesetzt.

Er habe sie auch angefasst und sie gebeten, über Nacht mit ihm zu kommen. Die Frau habe abgelehnt. Auf die Nachfragen der Richterin konnte der Angeklagte wegen mangelnder Deutschkenntnisse nicht präzise antworten. Der arabisch sprechende Staatsanwalt übersetzte mehrere Antworten und riet dem Angeklagten, seinen Pflichtverteidiger sprechen zu lassen.

Bei der Beurteilung, ob der Tatbestand einer sexuellen Nötigung erfüllt ist, muss das Gericht herausfinden, ob die Handlungen einvernehmlich passierten. Es gehe es um Feinheiten und Gesten, erklärte die Richterin. Daher brach sie die Verhandlung ab. Der Angeklagte bat um Entschuldigung: „Ich habe es falsch gemacht und entschuldige mich bei der Frau.“

Von Bettina Mangold

Quelle: HNA

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