Prüfer kommen plötzlich: Dem Dioxin im Tierfutter auf der Spur

Ein Stich für die Probe: Regina Keller vom Landesbetrieb Landwirtschaft in Fritzlar entnimmt mit einem Metallstab Futtermittel aus Säcken, das anschließend im Labor untersucht wird. Fotos: Schleichert

Altmorschen. Regina Keller ist für eine Überraschung gut. Niemand weiß genau, wann sie an der Pforte steht, mit einem langen Metallstab und einem Plastikeimer in der Hand. Jetzt ist wieder ein solcher Tag im Raiffeisen-Kraftfutterwerk Altmorschen.

Keller ist Angestellte des Landesbetriebs Landwirtschaft Hessen in Fritzlar und zieht Stichproben aus Mischfutter. „Damit das, was im Winter passiert ist, gar nicht erst passieren kann“, sagt ihr Kollege Bernd Grünhaupt. Er meint das Dioxin, das im Dezember in Tierfutter gefunden wurde. Stoffe wie Dioxin könnten dank regelmäßiger Kontrollen erkannt werden.

Regina Keller geht in das Sackwarenlager des Werkes, wo sich Palette an Palette schmiegt. 300 Tonnen Futter für Rinder, Schweine und Geflügel lagern auf Vorrat. Es duftet nach süßen Früchten. „Das ist das Fruchtaroma im Schweinefutter - das mögen die Tiere“, sagt Frank Gollbach, der das Werk der Raiffeisen-Warenzentrale leitet.

Doch das Aroma ist nur das Sahnehäubchen des Futters: Vitamine, Eiweiße und Mineralien sind auf den Etiketten der Säcke aufgelistet. Ob das drin ist, was drauf steht, prüft ein Labor in Kassel. Keller zieht die Proben aus den Säcken - heute im Auftrag der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft, die ein Siegel für die Mischung bestimmter Inhaltsstoffe verleiht.

Regina Keller steht vor einer Palette Mineralfutter für Mastschweine, in Säcken abgefüllt. Sie peilt einen Sack an und bohrt den armlangen Metallstab hinein. Ihren Plastikeimer füllt sie mit Futter aus verschiedenen Säcken der gleichen Charge. „Damit die Probe repräsentativ ist“, erklärt sie.

Qualitätskontrollen, sowohl extern als auch intern, sind für die Mitarbeiter im Kraftfutterwerk Alltag. „Wir prüfen alle Rohstoffe, die reinkommen und das gesamte Mischfutter, das rausgeht, in einem Schnelltestverfahren auf qualitätsbezogene Inhaltsstoffe“, sagt Gollbach. Mehr als 6000 interne Proben kämen so zusammen.

Acht Gütesiegel und Qualitätssicherungszeichen reihen sich auf einer großen Tafel an der Werkseinfahrt. Alle acht muss sich das Werk immer wieder neu verdienen: Etwa 160 Proben entnehmen externe Prüfer jährlich, davon sind 100 Pflichtproben und 60, wie auch die DLG-Kontrolle, freiwillig. Seit 58 Jahren wird das Altmorschener Futter von der DLG kontrolliert.

„Unsere Arbeit ist nicht erst seit dem Dioxin-Skandal bedeutend“, sagt Regina Keller. Doch seitdem würden die Futtermittelkontrollen mehr wahrgenommen. Die Probennehmer seien eine gute Überraschung, sagt Frank Gollbach. Die jüngsten DLG-Ergebnisse von 2009 bescheinigen seinem Werk gute Qualität: Bei 43 von 45 Proben stimmte alles.

Quelle: HNA

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