Uli Borowka liest aus seinem Buch

Psychiatrietag in Ziegenhain: Volle Pulle gegen die Sucht

Schwalm-Eder. In seiner Zeit als Fußball-Profi klärte der Abwehspezialist Uli Borowka für den SV Werder Bremen manch brenzlige Situation, dabei hatte er in seinem Privatleben bereits den Halt verloren.

Noch während seiner Zeit als Fußballprofi war er alkoholabhängig und schaffte erst zwei Jahre nach dem Abschied aus der Bundesliga den Ausstieg aus der Sucht.

Beim 3. Psychiatrie-Tag, der am 31. August in der Kulturhalle/Grundschule Ziegenhain stattfindet, liest er aus seinem Buch „Volle Pule“, das seinen Weg aus der Sucht beschreibt. Und im Anschluss gehört er zu den Gesprächsteilnehmern einer Podiumsdiskussion. Der Psychiatrie-Tag steht diesmal unter dem Motto „Sucht – das ist nicht mein Bier!“.

Verdrängen und leugnen – das gehöre fast immer zur Abhängigkeit dazu, sagt Gudrun Domes, Psychologin der Beratungsstelle des Schwalm-Eder-Kreises. Etwa 200 Menschen im Alter bis zu 30 Jahre werden in der Jugend und Drogenberatung betreut. Ältere Abhängige finden beim Sozialpsychiatrischen Dienst eine Anlaufstelle.

476 Menschen nahmen diese Hilfe in 2012 in Anspruch, berichtet Sozialpädagogin Christine Bornmann vom Sozialpsychiatrischen Dienst. Unsichere Beziehungen Die Abhängigkeit basiere häufig auf vorgelebtem Verhalten im Umgang mit Alkohol. Hinzu kämen Gewalterlebnisse, Heimaufenthalte und eine nicht verkraftete Scheidung der Eltern gehörten häufig zur Biografie.

„Viele haben Erfahrungen mit unsicheren Beziehungen gemacht. Sie fragen sich, ob das was sie heute haben auch morgen noch da ist“, sagt Gudrun Domes. „Sie erleben Depressionen und Angstzustände und versuchen, diese Situation durch Alkohol und andere Drogen in den Griff zu bekommen“, fügt sie hinzu. Zu den Anlaufstellen des Schwalm-Eder-Kreises kommen meist erst, wenn der Druck nicht mehr auszuhalten ist, wenn Angehörige, Polizei oder Kliniken die Sucht benennen.

Die Anlaufstellen beim Landkreis zeigen in solchen Fällen die Möglichkeiten einer Entgiftung und Therapie auf, die ambulant, teilstationär oder stationär erfolgen kann. Die Kostenübernahme durch die Rentenversicherung werde geklärt. Die Mitarbeiter der Jugend- und Drogenberatung übernehmen teilweise auch selbst die ambulante Nachsorge. Zu den Aufgaben des Sozialpsychiatrischen Dienstes gehören auch vorbereitende Gespräche auf eine Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU) nach einem Führerschein-Entzug.

Quelle: HNA

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