Pünktlichkeit auf Deutsch: Ehrenamtliche bieten in Wolfhagen Sprachkurse für Asylbewerber an

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Man spricht Deutsch: In einem Klassenraum der Wilhelm-Filchner-Schule erhalten Asylbewerber Sprachunterricht. Einer der Lehrer ist der Iraner Ali Nemati (links). Foto: Ricken

„Wenn man in Deutschland keinen Spaß versteht, dann beim Thema Pünktlichkeit. Ihr könnt nicht 15, nicht zehn und nicht mal fünf Minuten zu spät kommen", schärft Ali Nemati seinen Schülern ein. Die Asylbewerber aus der Wolfhager Pommernanlage lernen dreimal die Woche nicht nur die Sprache, sondern auch deutsche Gepflogenheiten.

Wolfhagen. Vor einem Jahr hat Ursula Muth die Deutschkurse für Asylbewerber ins Leben gerufen, die noch kein Bleiberecht in Deutschland haben und deshalb auch keinen Anspruch auf Sprachkurse. „Wir von der ökumenischen Arbeitsgemeinschaft fragten die Leute, was ihnen am wichtisten ist.“ Das Erlernen der deutschen Sprache stand ganz oben auf der Liste. „Für die Menschen ist es unerträglich in ihrer Unterkunft zu sitzen und Däumchen zu drehen“, meint Muth.

„Für die Menschen ist es unerträglich in ihrer Unterkunft zu sitzen und Däumchen zu drehen.“

Die Wilhelm-Filchner-Schule stellte für die Sprachkurse nicht nur einen Raum, sondern auch kostenlos Laptop und Beamer zur Verfügung, die Lehrer arbeiten ehrenamtlich. Erst unterrichtete Ursula Muth allein, jetzt kümmert sich ein ehemaliger Schüler, Ali Nemati, um die Anfänger. Der 40-jährige Iraner hat in seinem Heimatland studiert und ist selbst Lehrer. Er brauchte nur ein Jahr, um die Sprache zu erlernen.

Ursprünglich sollte das Angebot in erster Linie für die Flüchtlinge sein, die bereits in Wolfhagen und Umgebung eine Wohnung bezogen haben. Doch es sprach sich schnell herum und jetzt starten jeden Montag, Mittwoch und Freitag gruppenweise Asylbewerber um acht Uhr morgens an der Pommernanlage und wandern durch die Feldgemarkung zur Filchner-Schule, um pünktlich um 9 Uhr zum Unterricht da zu sein. Sie haben sich von ihrem eigenen Geld Unterrichtsmaterial angeschafft und lernen auch in ihrer Unterkunft fleißig die deutschen Vokabeln.

Flüchtlinge aus Eritrea, Somalia, Syrien, Algerien, dem Irak und Iran sitzen im Moment in den Schulbänken. Manchmal sind es über 20. Die Nationalitäten wechseln, manchmal bleibt ein Platz plötzlich leer, weil der Asylbewerber abgeschoben wurde. Die meisten von ihnen sprechen Englisch. In der Schulstunde kann sich Nemati so mit allen verständigen und die deutschen Unterrichtsinhalte einbringen.

Zum Thema Sprache gibt es noch ein weiteres Angebot für die Asylbewerber. Für die Ankommenden bietet das Ehepaar Ines und Heinz Riedel im Unterkunftsgebäude einen Crash-Kurs in Deutsch an.

Von Bea Ricken

Quelle: HNA

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