Pures musikalisches Gold vor dem Dom

Drei Abende gastierte der Kultursommer Nordhessen in Fritzlar

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Fritzlar. Alchemisten der Musik waren am Freitagabend in Fritzlar beim Festival Vor dem Dom am Werk. Zehn exzellente Bläser des renommierten Ensembles WorldBrass, stilvoll im schwarzen Frack gekleidet.

Die zauberten aus ihrem blanken Messing pures musikalisches Gold hervor, vom Schlagzeuger mit behutsamer Rhythmusgebung und mit Vibraphonspiel unterstützt.

Nach Art der Kammermusik boten sie keine Show. Dafür überzeugten ihre spielerische Präzision, die atemberaubende Virtuosität und der gut ausbalancierte, herrliche Bläserklang. Ein Ohrenschmaus, nicht nur für die Liebhaber der Brassmusik. „Rule, Britannia“ hieß das Motto des Abends. Der Titel schien verdächtig auf Last Night of the Proms hinzuweisen, dem legendären Abschlusskonzert der traditionellen Konzertreihe in London.

Tönender Bilderbogen 

WorldBrass malte jedoch zunächst einen weiten, 9o-minütigen, tönenden Bilderbogen. Und der wölbte sich von der Barockmusik des Henry Purcell (1659 - 1695) aus England hin zum Jazz von Duke Ellington (1899 - 1974) in den Vereinigten Staaten von Amerika und wieder zurück nach Großbritannien zu den Sea Songs der Fantasia von Henry Wood (1869 - 1944). Dazwischen lag eine spannungsreiche Kombination von Musikstücken. Zur Eröffnung erklang Purcells Suite aus „Fairy Queen“, einer Bühnenmusik zu William Shakespeares „Sommernachtstraum“.

Fünf Sätze, die Eric Crees, der erste Posaunist des Royal Opera House in Covent Garden, für Bläser arrangierte. Die entfalteten den Zauber um den Elfenkönig Oberon in einem Bukett mal zarter, mal festlicher Klänge mit Paukeneinsatz. Einen Blick zurück in Englands Geschichte warf Derek Bourgeois (*1941) mit seiner Komposition über die Regentschaft von „William and Mary“. Das aufregende Klangerlebnis faszinierte durch tonale Vielschichtigkeit und wechselnde Stimmungen. Spektakulär ergossen sich die konsonanten und die dissonanten Akkorde, die grellen Trompeten, das rasante Piccolo, die wuchtigen Posaunen und die machtvolle Tuba über das Publikum. Umso mehr überraschte der wundervoll empfindsame vierte Satz „The Death of Mary“. Nach dem Sprung über den Atlantik in die USA war es Zeit für Charles Ives (1874 -1954) und seine Variations on „Amerika“. Erstaunlich, die vielfältigen Variationen der Nationalhymne „Stars and Stripes“ mit denen der 17-jährige Komponist musikalische Bilder aus der Geschichte der USA schuf.

Großartig, wie die Musiker die Feinheiten der Stücke zum Ausdruck brachten: Eine lustige Erinnerung an den unvergesslichen Charly Chaplin. Die düstere und wehmütige Rückschau an Pearl Habour. Und mit triumphalen Klängen, der Blick auf die moderne USA. Da konnten bildhafte Eindrücke vor dem geistigen Auge der Zuhörer entstehen. Das galt auch für drei moderne Stücke aus Gordon Langfords (*1930) „London Miniatures“, in denen der Komponist die britische Hauptstadt vorstellt. Einen Stilwechsel zum Jazz vollzogen die Bläser mit Duke Ellingtons „Such sweet Thunder“. Er komponierte das zwölfteilige Werk für ein kanadisches Shakespeare Festival im Jahr 1956. In den Rhythmus, den Barry Jurjus am Schlagzeug für das Titelstück vorgab, fielen schwungvoll die Bläser ein und gemeinsam produzierten sie fetzigen Swing.

Fotos vom Kultursommer

Kultursommer Nordhessen vor dem Fritzlarer Dom

Thomas Ratzek glänzte mit einem Trompetensolo in der Ballade „Star Crossed Lovers“. Dann kündigten Trompetensignale des „Bugle Call“ und das patriotische „Rule, Britannia“ aus der Fantasia von Henry Wood das Ende des musikalischen Bilderbogens an. Siehe da, WorldBrass landete mit den Sea Songs tatsächlich noch bei der Musik der Last Night of the Proms. Begeistert von den herrlichen Klängen und dem meisterlichen Spiel, belohnten 430 Zuhörer die Musiker mit kräftigem Beifall.

Von Michael Auerbach

Quelle: HNA

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