Hilfsorganisationen berichten über nachlassende Spendenbereitschaft

Sie putzen viele Klinken

Fritzlar-Homberg. Ob Geld, Lebensmittel oder andere Spendenaktionen: Viele Organisationen sind auf Spenden angewiesen, um Menschen in Not zu helfen. Die Spendenbereitschaft im Jahr 2011 wird dabei von Organisationen aus dem Landkreis unterschiedlich bewertet.

„Die Spendenbereitschaft hat insgesamt nachgelassen“, sagt Joachim Jerosch vom Homberger Stolinverein. „Wir müssen viele Klinken putzen und immer stärker diejenigen belasten, die uns ohnehin schon seit Jahren unterstützen“, fügt er hinzu. Wie lange das noch funktioniere, wisse er nicht.

Der Verein hat jedes Jahr für vier Wochen Kinder aus der weißrussischen Stadt Stolin zu Gast, die unter Strahlenschäden durch den ReaktorUnfall in Tschernobyl leiden. Außerdem bringt der Verein einmal im Jahr 10 bis 15 Tonnen Hilfsgüter nach Stolin – von Kleidung und Lebensmittel bis hin zu Schulmaterial und Spielsachen.

„Nicht zufriedenstellend“, so knapp fällt die Bilanz von Peter Laukner, Koordinator der Homberger Tafel aus. Grund dafür: Die Lebensmittelspenden seien rückläufig, und auch die Spenden aus privater Hand sind weniger geworden. „Wir haben aber viele Zuwendungen bekommen, als wir im Frühjahr umgezogen sind“, sagt Laukner. Doch über das Jahr verteilt sei die Spendenbereitschaft ähnlich wie im Vorjahr geringer geworden. Das stellt die Tafel gerade am Ende eines Jahres vor Herausforderung. „Es gibt saisonbedingt mehr Entlassungen. Ein Beispiel ist das Baugewerbe. Das bedeutet auch, dass wir mehr Neuanmeldungen haben und mehr Menschen versorgen müssen“, sagt Laukner. Doch über das Jahr verteilt sei die Spendenbereitschaft ähnlich wie im Vorjahr weniger geworden.

Keine Veränderung bei der Spendenbereitschaft hat Dr. Ulrike Torunsky-Canaviri festgestellt. Sie unterstützt zusammen mit ihrem Mann Dr. German Canaviri und dem Verein Schülerhilfe Kinder aus der Stadt Potosi in Bolivien. 8000 Euro benötigen sie im Jahr, um den Kindern zu helfen. Ein Großteil bekommen sie dabei vom Rotary-Club in Homberg, sagte sie.

Viel Erfahrung mit Spendenaktionen aller Art hat der Fritzlarer Pfarrer Dr. Ulrich Bock. Seit vielen Jahren bittet er die Menschen um Spenden, allerdings immer für konkrete Projekte: vom Container, in dem ein Obdachloser überwintern kann, über Zebu-Rinder für Madagaskar bis zu Geld für ein Ernährungsprogramm in den Fritzlarer Kitas.

Seine Erfahrung: Die Spendenbereitschaft wird um so größer, je konkreter die Aktion beschrieben wird.

Von Max Holscher

Quelle: HNA

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