Tierschützer und Politik fordern mehr Kontrollen in den Ställen

Schweinemast: Die Qual der Ferkel schockiert Verbraucher

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Schwalm-Eder. Erschlagene Ferkel, Kastration ohne Betäubung, das reihenweise Abschneiden der Ringelschwänze - die jüngst in einem aufwühlenden ARD-Bericht gezeigten Szenen sind in Ställen des Schwalm-Eder-Kreises nicht ausgeschlossen.

Komplett verboten ist etwa das Töten junger Ferkel nicht, macht Dr. Peter Urban (Homberg) klar. Nach einer vorgeschriebenen Methode mit dem Hartholzknüppel ist der sogenannte Wurfausgleich am ersten Lebenstag zulässig. Solch erschütternde Grausamkeiten wie in dem TV-Beitrag vermutet Urban, Leiter des Fachbereichs Gesundheit, Verbraucherschutz und Veterinärwesen (Homberg) in den Ställen an Schwalm und Eder aber grundsätzlich nicht.

Regine Müller (Schwalmstadt), Landtagsabgeordnete und tierschutzpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, hatte die Ferkeltötungen in Deutschland scharf kritisiert. "Das Kastrieren männlicher Ferkel ohne jedwede Betäubung und das Kupieren der Schwänze scheinen in großen Zuchtbetrieben nicht die Ausnahme zu sein", so die SPD-Politikerin. Hauptursache sei der unbarmherzige Preiskampf. Letztlich entscheide der Verbraucher, "Fleisch, das zu Dumpingpreisen über die Supermarkttheke geht, kann nicht auf anständige Weise produziert worden sein". Die Abgeordnete forderte bessere Kontrollen in den Ställen.

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Es sei anzunehmen, dass es in den Schweinemast- und Zuchtbetrieben illegale Auswüchse gibt, sagen Tierschützer der Bürgerinitiative Chattengau (Gudensberg). Der Druck auf die Landwirte sei mitunter massiv, viele seien völlig abhängig, "Ferkel werden wie Dinge behandelt", so BI-Sprecher Andreas Grede.

Beim Verbraucherschutz des Kreises ist man sich darüber klar, dass lückenlose Kontrolle eine Illusion ist, "schwarze Schafe gibt es immer, das kann ich nicht ausschließen", so Dr. Hans-Gerhard Heil.

Hintergrund: Knapp 200.000 Schweine im Kreis

In keinem der 26 hessischen Landkreise leben mehr Schweine als bei uns, 180 000 Mastschweine in 900 Betrieben, außerdem 16 500 Sauen. 54 Betriebe an Schwalm und Eder haben mehr als 500 Tiere, führte Tierarzt Dr. Hans-Gerhard Heil aus, er ist Arbeitsgruppenleiter Verbraucherschutz im Fachbereich Gesundheit, Verbraucherschutz und Veterinärwesen beim Kreis in Homberg. Chef dieses Fachbereichs ist Dr. Peter Urban.

In Deutschland steigen die Zahlen in der Schweineproduktion derzeit stark an: Über 28,3 Mio. Schweine lebten 2012 hierzulande, im Jahr davor waren es 27,4 Mio. Tiere (Quelle: Friedrich-Löffler-Institut). (aqu)

Quelle: HNA

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