Die Malereien aus dem 16. Jahrhundert in der Dörnberger Kirche zeigen biblische Motive

Rätsel im schönsten Haus

Kostbar: Pfarrer Josef Natrup ist stolz auf die Wandermalereien aus den Anfängen des 16. Jahrhunderts, zu der auch die Krippenszene (oben rechts) gehört. Fotos: Hoffmann

Dörnberg. Wenn Pfarrer Josef Natrup in den stressigen Tagen vor Weihnachten die schwere Tür zur Dörnberger Kirche öffnet, dann schaut er besonders gerne die beeindruckenden Wandmalereien im Chorraum an. Mit warmem Licht angestrahlt, verleihen die aus den Anfängen des 16. Jahrhunderts stammenden Bilder dem alten Gemäuer noch heute eine ganz besondere Atmosphäre, spenden Ruhe. „Sie zeigen mir immer wieder, wie schön unsere Kirche ist“, sagt Natrup. „Das schönste Haus in Dörnberg.“

Dabei sind die Wandmalereien nicht einfach nur schön, sondern wegen ihrer lebendigen Form auch einmalig in Nordhessen. Sie fanden weite Verehrung in der frühen Christenheit und dienten als „biblia pauperum“, als Bibel für diejenigen, die nicht lesen und schreiben konnten. Ihnen sollte ein christliches und tugendhaftes Leben vor Augen gestellt werden. Dazu diente auch die Darstellung der Krippenszene, die in der Bildsprache bemerkenswerte Parallelen zu einem Bild von Meister Francke in der Hamburger Kunsthalle aufweist. Die Zierenberger Kunsthistorikerin Dr. Vera Leuschner schreibt dazu im Dörnberger Kirchenführer: „An graziler Gestalt und elegant-manierierter Körperhaltung, die dem Figurenstil des Dörnberger Malers sowieso eigen ist, übertreffen insbesondere diese drei Könige noch die übrigen Gestalten im Chor.“ Sie beziehen sich auf die Erzählung von den drei Magiern oder Weisen aus dem zweiten Kapitel des Matthäus-Evangeliums, repräsentieren die drei damals bekannten Erdteile und somit die ganze, heidnische Welt.

Arme Seele im Gepäck

Einige Darstellungen aber geben laut Natrup auch Rätsel auf. So auch die des Teufels mit einer armen Seele im Gepäck, die in der segmentbogenförmigen Nische der östlichen Wand des Chorraumes zu sehen ist. Die Malerei zeigt eine fast menschengroße Figur mit weiblichen Attributen, einem kräftigen Schwanz und einer dreischneidigen Sense. Warum der Teufel, der lange Zeit hinter einem Vorhang versteckt wurde, an die Wand gemalt wurde, das bleibt ein Geheimnis. Auch der Hintergrund des an der Nordwand dargestellten Reiters ist nicht geklärt. „Einiges deutet darauf hin, dass es sich um den damaligen Landeshofmeister Hans von Dörnberg handelt, der die Ausmalungen gespendet haben könnte“, sagt Pfarrer Natrup.

„Vieles ist bislang nicht geklärt, leider wissen wir auch bezüglich Maler oder Maler-Schule nichts, die den Chorraum ausgemalt haben“, sagt Natrup. Eines sei jedoch sicher: Sie müssen gut bewanderte Kenner und Könner der Malerei gewesen sein.

Von Sascha Hoffmann

Quelle: HNA

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