Mysteriöses Dokument: Schulchronik der Christine-Brückner-Schule aufgetaucht

Zweifel an der Authentizität kann nur das Original aus dem Weg räumen: Hartwin Neumann (links) hat die ihm zugespielte Kopie der Schulchronik aus den Jahren von 1920 bis 1937 dem jetzigen Schulleiter Wolfgang Engelmeyer (rechts) übergeben. Foto: Hempel

Bad Emstal. Ein mysteriöses Dokument wurde dem Geschichtsverein Bad Emstal zugespielt: Die Schulchronik der Christine-Brückner-Schule in Sand aus den Jahren 1920 bis 1937. „Die Chronik habe ich per E-Mail geschickt bekommen“, sagt Hartwin Neumann, Vorsitzender des Kultur- und Geschichtsvereins.

Allerdings in transliterierter Form, also abgetippt. „Ich habe den Absender gebeten, uns auch das Original vorzulegen, daraufhin hat er sich nicht mehr gemeldet.“ Ohne Original könne aber nicht geprüft werden, ob sich zwischen 1920 und 1937 tatsächlich alles so abgespielt hat, wie es in der Kopie steht.

Hartwin Neumann hat entschieden, das Dokument der Christine-Brückner-Schule zu übergeben. Seit längerem suchen der Verein und die Gesamtschule Möglichkeiten zu kooperieren. „Wir wollen einen Kurs einrichten, bei dem sich Schüler mithilfe der aufgetauchten Chronik mit der Geschichte der Schule in der Zeit des Nationalsozialismus auseinandersetzen“, erklärt Schulleiter Wolfgang Engelmeyer. „Das wäre extrem spannend.“

Aber so, wie das Dokument vorliegt, könne man damit nichts anfangen. Ohne Abgleich mit dem Original sei die Authentizität der Chronik, die vom damaligen Schulleiter verfasst wurde, nicht überprüfbar. „Was da drin steht, kann wahr sein“, so Engelmeyer. „Es kann aber auch genau das Gegenteil bedeuten.“

Der damalige Schulleiter hieß Julius Dittrich. Er leitete die Geschicke der Schule vom Ende der 30er-Jahre an bis 1946. Ihm wird nachgesagt, Sympathien für den Nationalsozialismus gehegt zu haben.

In einem Eintrag vom Januar 1934 heißt es: „Mit dem 30. Januar ist ein Jahr nach der Machtübernahme durch den Führer und Volkskanzler Adolf Hitler verflossen. Sand, einst eine Hochburg des Kommunismus und der Sozialdemokratie, hat sich gut in das neue nationalsozialistische Regiment eingefunden. Ist doch auch das Schreckgespenst der Arbeitslosigkeit zu einem recht großen Teile gebannt. Sand marschiert jetzt mit auf dem Wege des Nationalsozialismus.“

An dieser Stelle endet der Eintrag. Wie die Mehrheit der Deutschen begrüßte Dittrich an dieser Stelle lediglich die Erfolge bei der Beseitigung der Arbeitslosigkeit, die die Nationalsozialisten für sich beanspruchten.

„Wir wissen aber nicht, ob da einer durch das Hinzufügen oder Weglassen einiger Passagen die Vergangenheit ein wenig besser erscheinen lassen will“, sagt Engelmeyer. Oder ob das Original wirklich bereits im Jahr 1937 endet.

Auch könne er nicht verstehen, dass das Original nicht in der Schule geblieben ist. Eine Schulchronik dürfe auch ein Schulleiter nicht bei sich zu Hause aufbewahren.

Von Claudia Hempel

Quelle: HNA

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