Angelsportvereine klagen über Schäden, die der Kormoran anrichtet

Angelsportvereine klagen über Schäden, die der Kormoran anrichtet

Auf Fischzug: Ein Kormoran hat einen Aal erbeutet. Viele weitere Fischarten sind durch die Vögel gefährdet, sagen die Angelvereine. Foto: dpa

Wolfhager Land. Der Kormoran, Vogel des Jahres 2010, sorgt für Streit zwischen Naturschützern und Anglern. Während sich der Naturschutzbund offensiv für den Schutz des Kormorans einsetzt, der in den vergangenen Jahren an deutsche Seen, Flüsse und Küsten zurück gekehrt ist, schlagen die Angler Alarm, weil sie um ihre Fischbestände fürchten.

Um das Jahr 1970 wurden im westlichen Europa rund 30 000 Kormorane gezählt. Seither sollen sie sich auf 900 000 Tiere vermehrt haben. Auch im Altkreis Wolfhagen werden ganze Schwärme gesichtet. Zum Beispiel in Zierenberg. „Im vergangenen Jahr sind sie über die Fische in der Warme hergefallen“, sagt Gerhard Wendt, Vorsitzender des Angelsportvereins Petri 75 in Zierenberg. Auf Schlafbäumen hätten manchmal bis zu 30 Kormorane die Nacht verbracht. In diesem Winter seien die Teiche bisher ohne Eis und deshalb bevorzugtes Jagdgebiet. Zumal es in der Warme durch Umwelteinflüsse immer weniger Fische gebe.

Verendete Fische: Deutlich zu erkennen sind die Verletzungen durch die Hakenspitze am Schnabel des Kormorans.

Dies ist auch das Argument der Naturschützer. Sie sagen, dass der beklagte Rückgang der Fischbestände wenig mit dem Kormoran, jedoch viel mit dem nach wie vor schlechten ökologischen Zustand von rund 80 Prozent der Gewässer zu tun habe.

Umso mehr schmerzen die Jagdzüge der Kormorane, die einen Nahrungsbedarf von einem halben Kilo Fisch pro Tag haben. Sie jagen außerdem fast nie einzeln, sondern kommen in größeren Trupps von 20 bis 250 Vögeln. Daher können Kormorane, wenn sie an einem Fischwasser einfallen, innerhalb kurzer Zeit enorm hohe Prozentsätze des lokalen Fischbestandes herausfressen.

Dieser Umstand bereitet vor allem den Anglern vom Bürger-Angelsportverein in Wolfhagen Sorge. „Wir haben derzeit in der Rattenfalle im Stadtwald Probleme mit dem Kormoran“, so Peter Wenzel vom Verein. Beim Abangeln im November konnten die Mitglieder die Tiere beobachten. Dass der Kormoran auf Jagdzug war, könne man auch an den Bauchverletzungen der Fische erkennen. Gefangene, kleinere Fische schlucke der Kormoran herunter, größere, die er nicht erwische, würden häufig durch den Hakenschnabel verletzt. Diese Fische verendeten dann an Pilzerkrankungen, sagt Wenzel. Auch an der Erpe zwischen der Oleimühle und Elmarshausen hat Peter Wenzel Kormorane entdeckt. Der Bürger-Angelsportverein versuche nun eine Abschussgenehmigung für einzelne Vögel zu bekommen. Dies würde dazu führen, dass die anderen das Jagdgebiet verließen, so Wenzel. Die Angler wollten den Kormoran „nicht ausrotten, nur dezimieren“, betont er. Auf eine generelle Regelung warte man aber seit Jahren

In Naumburg konnten die Angler nur Einzeltiere an der Elbe entdecken. „Da sind wir bisher verschont worden“, so Martin Draude vom Angelverein. „Wir haben mehr Probleme mit dem Fischreiher.“

Von Bea Ricken

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare