Ramadan im Sommer: Für Moslems ist die Fastenzeit keine Qual

Wabern. Es ist heiß, man schwitzt und sollte unbedingt viel trinken. Doch das dürfen derzeit viele Muslime nicht, denn sie befinden sich mitten im Fastenmonat Ramadan und das bedeutet, dass sie fast 18 Stunden nichts essen und nichts trinken dürfen.

Kein Stück und keinen Schluck. Dieses Jahr ist das besonders hart, der Ramadan fällt in den Juli und August. Die Tage sind lang und dazu Temperaturen über 25 Grad.

Kein Stück und keinen Schluck. Dieses Jahr ist das besonders hart, der Ramadan fällt in den Juli und August. Die Tage sind lang und dazu Temperaturen über 25 Grad.

„Die ersten zwei bis drei Tage sind anstrengend, danach fällt es selbst an heißen Sommertagen nicht mehr schwer zu fasten“, sagt Khalid Mahmood. Im Gegenteil: Er fühle sich sogar richtig gut und gestärkt. Mahmood ist der Vorsitzende der Ahmadiyya Muslim Gemeinde in Wabern. Durch das Fasten erwache eine innere Kraft, sagt er.

Monat der guten Taten

Zuletzt getrunken hat er auch heute um 3.45 Uhr. Denn im Ramadan beginnt für die Moslems der Tag bereits mit dem Sonnenaufgang. „Vor dem ersten Gebet essen und trinken wir. Danach ist das bis zum Sonnenuntergang tabu“, sagt Adil Achmad Khalid, er ist Imam in Ausbildung und spricht von einer spirituellen Reinigung und einer anderen Sicht auf das Leben, die man durch das Fasten erfahre.

„Wir machen das für Gott, fühlen uns ihm dadurch noch näher und er erhört unsere Gebete“, sagt er. Es gehe um weit mehr, als nur den Verzicht auf Essen und Trinken. „Es ist keine Hungerkur. Es geht darum, sich seiner selbst bewusst du werden und ein Diener Gottes zu sein. Man verzichte zudem auf das Rauchen und auf ehelichen Beischlaf in dieser Zeit.“ Der Ramadan sei sicher auch eine Herausforderung, sagt Mahmood. Dafür lerne man, sich im Verzicht und in Geduld zu üben. Für die muslimische Gemeinde sei die Fastenzeit eine segensreiche Zeit, denn es kommen mehr Menschen zu den Gebeten und die Gemeinschaft wachse. „Der Ramadan macht es uns möglich, uns in die Lage hungernder Menschen zu versetzen, an Bedürftige zu denken und uns um Notleidende zu kümmern.“ Es werde auch viel gespendet.

Ein paar Tipps

Ein paar Tipps hat Mahmood dennoch parat, um die Fastenzeit bei der Hitze besser zu bewältigen. „Man sollte keinen Sport treiben“, sagt er. Und nasskalte Tücher könne man sich in den Nacken legen und so für Abkühlung sorgen.

Schön sei, dass die Fastenzeit diesmal in die Schulferien falle. „Viele Kinder finden es toll und stehen mit ihren Eltern früh auf“, sagt Mahmood. Doch bestehe für Kinder keine Pflicht zu Fasten. „Manche probieren es mal ein paar Stunden aus“, erklärt er. „Weil es für sie schön ist, in diese Welt der Erwachsenen einzutauchen.“ Doch längst nicht jeder Erwachsene fastet im Ramadan: Ausnahmen gibt es für Kranke, Reisende und schwangere Frauen.

Da ja am Tag nicht gegessen werden darf, ist für alle, die fasten, jetzt selbstverständlich das Grillen ebenfalls tabu. „Aber der Sommer geht ja noch ein wenig länger“, sagt Khalid Mahmood und lacht. Am 8. August endet die Fastenzeit mit dem dreitägigen Zuckerfest.

• 90 Mitglieder aus dem ganzen Schwalm-Eder-Kreis gehören der Ahmadiyya Gemeinde in Wabern an. Sie laden zum Tag der offenen Moschee am Donnerstag, 3. Oktober, ein.

Von Maja Yüce

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare