Bürgerinitiative stellte ein Gutachten zur Geruchsbelästigung durch Mastanlage vor

Am Rand der Belastbarkeit

Den Metzern stinkt’s: Sie protestieren auch sichtbar gegen einen Ausbau der Massentierhaltung in dem Niedensteiner Stadtteil. Foto: Rissmann

Metze. Der Streit um den Gestank im Niedensteiner Stadtteil Metze wird nun höchst gutachterlich ausgetragen: Das Regierungspräsidium (RP) Kassel hat einem Erörterungsgespräch zur geplanten Erweiterung eines Metzer Hähnchenmaststalls nun sowohl den Bauherrn als auch die Gegner angehört.

Der Landwirt möchte neben seinem Hähnchenmaststall mit 29 000 Tieren einen zweiten größeren mit weiteren 46 000 Tieren errichten. Eine solche Mastanlage muss nach dem Bundes-Immissionschutzgesetz vom RP genehmigt werden. Das Gesetz soll helfen, Menschen vor schädlichen Umwelteinwirkungen wie Luftverunreinigungen, Geräusche und Erschütterungen zu schützen.

Die Faktenlage ist nicht eindeutig geklärt: Ein Gutachten des TÜV-Hessen im Auftrag der Stadt Niedenstein hatte ergeben, dass die Grenzwerte im Dorf bereits überschritten werden. Neue Ställe dürften nicht mehr gebaut werden.

Der Landwirt hatte ebenfalls ein Gutachten in Auftrag gegeben. In diesem kommt Agrarberater Michael Herdt zu anderen Ergebnissen. Nach Betrachtung der Wetterdaten sei klar, dass die Geruchsbelästigung durch die neue Mastanlage am Ortsrand nur irrelevant erhöht würde. „Wir sind deshalb nicht verpflichtet, die Vorbelastungen zu berücksichtigen“, sagte Herdt.

Jetzt wurde die nächste Stufe des Gutachterstreits erreicht, denn die Bürgerinitiative hat ebenfalls ein Gutachten vorgelegt. Der Sachverständige für Immissionschutz, Knut Haverkamp, hatte die von Herdt vorgelegten Zahlen noch einmal durchgerechnet. Er kam zu dem Ergebnis, dass dessen Gutachten fachlich nicht richtig sei. „Es scheint, dass die Zahlen falsch übernommen wurden. Das kann man nicht so stehen lassen“, sagte Bernard Leuteritz, Sprecher der Initiative.

Haverkamp bemängelte unter anderem, dass Ableithöhen nicht korrekt berechnet, regelmäßig notwendige Entmistungsarbeiten nicht berücksichtigt und für die große Zahl an Tieren zu wenige Lüfter eingeplant wurden.

Insgesamt hatten 462 Einwohner gegen den Ausbau der Anlage protestiert. Sie befürchten durch die neue Anlage einen Verlust an Lebens- und Freizeitqualität. „Landwirtschaftliche Gerüche sind normal, aber mittlerweile ist die Belastungsgrenze erreicht“, sagte Anwohner Jörg Warlich.

Von Diana Rissmann

Quelle: HNA

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