HNA-Marktseite: Raritäten für Numismatiker

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Stolz: Rolf Brämer präsentiert sein gesammeltes Melsunger Notgeld.

Unter dem Begriff „Notgeld“ können sich heute wahrscheinlich nur noch wenige Menschen etwas vorstellen. Was ist oder war Notgeld?

Notgeld ersetzte fehlende gesetzliche Zahlungsmittel und wurde von Staaten, Gemeinden oder privaten Unternehmen herausgegeben. Das Vertrauen in Notgeld ist in Kriegs- und Krisenzeiten oftmals größer als das Vertrauen in offizielles Geld. Das Notgeld wurde als Münze oder Banknote herausgegeben. Notgeld wurde nur als Zahlungsmittel gebraucht, nicht zu Kreditzwecken. Eine besonders große Menge von Notgeld wurde im Deutschen Reich in den Jahren während und nach dem Ersten Weltkrieg und während der Hyperinflation 1923 ausgegeben. Das Horten von Silbermünzen (durch die Inflation war ihr Materialwert höher als der Nominalwert) und der Metallbedarf der Kriegsindustrie führten zu Kleingeldmangel. Städte, Gemeinden, Kreise und Privatfirmen sprangen in die Lücke und deckten den Bedarf mit eigenen Ausgaben, für den Geldumlauf bestimmten Verkehrsausgaben. Die große Anzahl von variantenreich gestalteten Geldscheinen mit viel Lokalkolorit erweckte bald auch das Interesse von Sammlern.

Komplette Sammlung „Melsunger Notgeld“

Der gebürtige Melsunger Rolf Brämer hat aus großer Verbundenheit zu seiner Heimatstadt eine Sammlung zusammengetragen. Sie befindet sich seit nunmehr 35 Jahren in seinem Besitz. Es handelt sich um unersetzliche Dokumente aus einer Zeit größten Elends – auch in Melsungen. Das Vertrauen der Menschen in Papiergeld war damals eher gering, Münzen aber vertraute man und so wurden diese gehortet. Es kam zu erheblichen Engpässen. Als erste Stadt Hessens führte Melsungen Kleingeldersatzmarken ein, sie dienten als Notgeld. Der Magistrat ließ sie im Jahr 1917 in Nürnberg prägen: 4175 Mark als 10 Pfennig- und 7785 Mark als 50 Pfennig-Stücke. Diese Münzen waren aus Zink, ihre Form war achteckig, die Farbe grau. Ein Jahr später ließ man wieder Münzen prägen, diesmal aber aus Eisen. Zusätzlich wurde in Kassel Papiergeld gedruckt und zwar 1 Mark-, 5 Mark- und 10 Mark-Scheine. Als Motive auf der Rückseite wurden Melsunger Bauwerke wie der Eulenturm oder die Bartenwetzerbrücke gewählt. Im Jahr 1920 wurden nochmals Münzen geprägt, diesmal aber erstmalig in runder Form. Es wurden 5006 Mark in 10 Pfennig- und 25 000 Mark in 50 Pfennig-Stücken in Umlauf gebracht. Alle Münzen zeigen auf der Rückseite das Melsunger Stadtwappen.

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Quelle: HNA

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