Bergheimer Familie besitzt eine elfköpfige Lama-Herde

Bergheim. Stefan Heerich hasst Rasenmähen. Das ist schlecht, denn sein Grundstück hat fast die Größe eines kleinen Neubaugebiets: 10.000 Quadratmeter Grünfläche umgeben das Wohnhaus des Bergheimers. Doch ohne diese Rasenmähen-Phobie wäre die Familie wohl nie zu ihren Lamas gekommen.

Heerich, den alle Spangenberger nur „Hoss“ nennen, machte es schon immer verrückt, dass er im Sommer seine kostbare Freizeit auf dem Aufsitzmäher verbringen sollte, wo er doch viel lieber mit seiner Frau Ilona auf dem Motorrad sitzen wollte. Er suchte nach Ideen, wie er das ändern könnte: „Ich wollte einfach nicht mehr der Sklave meines großen Grundstücks sein“, sagt der 41-Jährige.

Doch erstmal war keine Lösung in Sicht. Schafe, sagt er, blökten dauernd vor sich hin, Ziegen meckerten nur rum, vor Pferden fürchtet er sich – den perfekten vierbeinigen Rasenmäher schien es für ihn nicht zu geben. Bis er eines Sonntags eine Anzeige in der HNA las, in der ein Züchter ein Lama verkaufen wollte. Lamas! Genau das, was er wollte: Geräuscharme, pflegeleichte Tiere mit Charme. Heerich war begeistert.

Seine Frau allerdings weniger. „Lamas sind Herdentiere: Ich wusste, dass man nicht nur eines halten kann“, sagt Ilona Heerich. Für ihren Mann war dieses Argument null Problem: Er kaufte eben gleich zwei Neuweltkamele. Heute stehen elf Tiere auf der Weide hinter dem Stall, das jüngste ist erst wenige Tage alt. Es kam just in dem Moment zur Welt, als Sohn Sam seine Geburtstagstorte anschneiden wollte. Heerichs ließen alles stehen und liegen und rannten in den Stall. Da aber ging alles glatt, Lama Uschi – es ist nach dem Ex-Fotomodel Uschi Obermaier benannt – brachte ein gesundes Junges zur Welt, das nun dicht neben seiner Mutter auf der Weide umher stakst. Sam ist Namenspate: Das Fohlen heißt Sammi.

Neugierig und verfressen: Wenn Stefan Heerich aus Spangenberg-Bergheim mit der Brötchentüte raschelt, kommt Bewegung in seine Lamaherde. Die Neuweltkamele lieben trockenes Brot.

Es wird in diesem Jahr nicht das einzige Jungtier bleiben, Heerichs rechnen mit zwei weiteren Fohlen. Lamas haben eine lange Tragzeit, sie sind ziemlich genau ein Jahr lang schwanger.

Die Herde wächst also weiter. Die Familie Heerich sieht das gern. Zum einen verkaufen sie einige Tiere („Aber ohne Zuchtbuch und Trallala“), zum anderen sei der Arbeitsaufwand sehr überschaubar, sagt Hoss Heerich, der als Industriemeister im Baunataler VW-Werk arbeitet.

Im Sommer ernährten sich die Tiere vom Rasen, den sie kurz halten und von einem Rundballen Heu. Nur im Winter muss er den Stall ausmisten. Aber das macht Stefan Heerich nichts aus. Hauptsache, er muss im Sommer kein Rasenmähen und kann mit seiner Ilona Moped fahren. Den Lamas sei Dank.

Von Claudia Brandau

Quelle: HNA

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