Tritte und Schläge nach der Disko - Milde Strafe für junge Männer

Schwalmstadt. Für gemeinschaftlich begangene Körperverletzung in Zusammenhang mit einem Raub sind drei jugendliche Straftäter vor dem Jugendschöffengericht Schwalmstadt relativ milde bestraft worden.

Einer der drei Angeklagten erhielt einen einwöchigen Dauerarrest, der zweite eine Geldstrafe von 800 Euro. Alle drei müssen eine finanzielle Widergutmachung leisten.

Im Dezember 2009 baten zwei junge Männer einen der drei Angeklagten, einen 20-Jährigen, nach einem Disko-Besuch in Treysa spät in der Nacht, sie nach Hause zu fahren. Der willigte ein, doch unterwegs gab es im Auto Streit. Nach Angaben des Angeklagten wurde er dabei geschlagen.

Kurzerhand setzte er daraufhin die beiden nachts um vier Uhr noch in Treysa wieder auf die Straße. Dann fuhr er zur Disko zurück und holte sich Verstärkung. Zu dritt kehrte man zu den Beiden zurück, „um die Sache vor Ort zu klären“, wie der 20-jährige berichtete.

Ein weiterer Angeklagter, der mit einem zweiten Auto gekommen war, griff sich unvermittelt einen Baseballschläger, der unter dem Beifahrersitz des Autos lag. Damit stürmte er auf einen der beiden Ausgesetzten zu und stieß ihn mit dem quer vor der Brust gehaltenen Schläger zu Boden. Als der junge Mann in „Embryohaltung“ am Boden lag, hielt er ihm nach zeugenaussagen den Baseballschläger an den Kopf und hielt ihn so in Schach.

Dem widersprach der Angeklagte: „Ich habe ihn zwar gestoßen aber nicht damit gedroht.“ Er gab allerdings zu, 40 Euro aus der Geldbörse des Opfers genommen zu haben, die habe neben ihm auf dem Boden gelegen.

Zusammengeschlagen und ausgeraubt

Den Verlust seines Portemonnaies hatte das Opfer selbst erst nach seiner polizeilichen Vernehmung bemerkt. Vor Gericht erklärte er, es seien nicht 40 sondern 150 Euro gewesen, die ihm geraubt worden seien.

Ein anderer Zeuge berichtete sogar, die Geldbörse sei dem am Boden Liegenden aus der Gesäßtasche gezogen worden. Daran konnte sich das Opfer nicht erinnern.

Der dritte Angeklagte gab ebenfalls zu, an der Aktion beteiligt gewesen zu sein und den am Boden liegenden getreten zu haben, „aber nur einmal und das ganz locker“, betonte der heute 21-jährige.

Alle drei an der Körperverletzung Beteiligten sowie der Geschädigte erklärten, erheblich alkoholisiert gewesen zu sein. „Die Sache hat sich alkoholbedingt hochgeschaukelt. Es war eine absolute Idiotensituation“, bemerkte Richter Gerhard Glaessel zum Verhalten der Angeklagten. „Es wurde letztendlich eine noch offene Rechnung beglichen.

„Ob der Geldbeutel aus der Tasche gezogen wurde oder auf dem Boden lag, war nicht zu beweisen“, sagte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer. Er forderte für den Haupttäter einen Dauerarrest von drei Wochen und für den zweiten Angeklagten einen Dauerarrest von zwei Wochen.

Das Verfahren gegen den dritten Angeklagten war bereits im Laufe der Verhandlung vorläufig eingestellt worden. Den Antrag des Staatsanwaltes reduzierte der Richter dann in das wesentlich mildere Urteil.

Alle drei Angeklagte müssen aber zusätzlich eine Geldbuße von je 200 Euro als Wiedergutmachung an den Geschädigten leisten. Dieser hatte neben dem Verlust seines Bargeldes auch noch seine teure Brille verloren, die ersetzt werden musste.

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare