Raue Stimme, sinnlicher Klang

Kultur vor Ort: Sängerin Anne Haigis begeisterte das Publikum in der Hospitalskapelle

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Präsentierte ihr neues Album „Wanderlust“: Die Künstlerin Anne Haigis war am Samstagabend auf Einladung des Kulturvereins in Treysa zu Gast.

Treysa. Sie kam, sie sie sang, sie siegte – Anne Haigis war am Samstag zu Gast in der Hospitalskapelle in Treysa, in der es zuletzt keinen mehr auf den Stühlen hielt. Da wurde stehende mitgewippt und mitgesungen, Gäste und Künstler genossen einen unvergesslichen Abend.

Eingeladen worden war Anne Haigis von der Initiative „Kultur vor Ort“. Geboren in Rottweil lebt sie seit vielen Jahren in Köln: In den 1980er-Jahren veröffentlichte sie einige jazzorientierte Alben, es folgten deutschsprachige Songs. Mittlerweile sind es überwiegend englischsprachige Nummern, die die Sängerin interpretiert: Auf der Bühne stand Haigis unter anderem mit Eric Burdon und Melissa Etheridge.

In Treysa stellte sie zusammen mit Ina Boo ihr neues Album „Wanderlust“ vor, in dem sie vor allem Themen wie Sehnsucht und Fernweh verarbeitet hat. Auf das zunächst nicht einwandfrei funktionierende Mikro verzichtete Anne Haigis kurzerhand. Die kurze Technikpause verplauderte die Schwäbin: „Zum Glück sind wir hier nicht in der Olympiahalle.“ Die – so dachten sich wohl die meisten Zuhörer – hätte die Lady mit der Reibeisenstimme aller Wahrscheinlichkeit nach auch noch ohne Technik beschallen können. Mit „Wake the death“ stimmte sie die Gäste auf den Abend ein, der musikalisch irgendwo zwischen Blues, Country, Gospel und Rock wandelte. Problematiken wie Trennungen transportierte sie in „Kind der Sterne“ und „Haut für Haut“ – stimmlich ausdrucksstark, aber in den wesentlichen Passagen ruhig und melancholisch. Lichtblicke gab es mit der fröhlichen Nummer „Immer wieder du“.

Spannend hatte Anne Haigis Texte von Trude Herr verarbeitet – auf populäre Nummern von Phil Collins und Elton John gelegt wirkten die Zeilen aktuell und authentisch. „Es sind taffe Texte in ihrer typisch plakativen Art“, sagte Haigis. Beim nächsten Titel hörte man fast das angesprochene Lagerfeuer prasseln: „Weißer Blues“ nannte das die Künstlerin. Vom „Männerblues, der sich richtig aus dem Bauch kommt“ zum schmachtenden Frauenblues. Bei ihrem absoluten Lieblingslied „Waltzing Matilda“ kroch einem der Schauer vom den Zehenspitzen bis zum Scheitel.

Gekonnt brach Haigis die ehrfürchtige Stimmung auf und bat beim nächsten Titel den Refrain mitzusingen – lange gebeten werden musste das Publikum nicht. Zur Seite stand Haigis mit Ina Boo eine ebenbürtige junge Musikerin, die sich nicht nur an der Gitarre austobte, sondern auch am Piano mit Herzenswärme intonierte. Die rauchige Stimme umschmeichelte den rauen Klangkörper von Anne Haigis und verlieh den Titeln Tiefe und Sinnlichkeit. Schon bei der zweiten Zugabe hielt es keinen mehr auf den Stühlen: Da wurde geklatscht bis sich Anne Haigis mit Guten-Nacht-Grüßen verabschiedete.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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