Ausstellungseröffnung: Willingshäuser Stipendiatin zeigt Fotos in der Kunsthalle

Die Realität im Rahmen

Reger Zuspruch: Viele Willingshäuser und Gäste waren am Donnerstagabend zur Eröffnung der Ausstellung „Lupe“ in die Kunsthalle nach Willingshausen gekommen. Fotos: Rose

Willingshausen. In den vergangenen Wochen hat Anja Köhne (27) Wünsche erfüllt und Fotoaufträge der Willingshäuser umgesetzt. Die Ergebnisse sind ab sofort in der Ausstellung „Lupe“ in der Kunsthalle Willingshausen zu sehen. Am Donnerstagabend wurde die Bilderschau eröffnet. Anja Köhne ist die 34. Künstlerstipendiatin, die drei Monate in der Schwalm lebte und arbeitete.

„Ist Anja Köhne zu faul, um sich selbst Gedanken zu machen?“, fragte sich Kurator Bernhard Balkenhol in seiner Einführung. Mitnichten. Die gebürtige Stendalerin habe sich sehr bewusst Aufträge erteilen lassen: „Charakteristikum ihrer eigenen Bildsprache ist, dass Anja Köhne ihre Motive nicht abbildet, sondern fotografisch auftreten lässt.“ Sie verstehe sich als Autorin, die ein Stichwort aufnehme und Gegenstände, Orte und Situationen wie eine Skulptur inszeniere, so dass sie eigene Form bildeten. „So ist alles, was sie fotografiert, künstlerisch doppelt codiert – in seiner tatsächlich vorhandenen materiellen Form wie in seiner Erscheinungsform als Fotografie“, erläuterte Balkenhol.

Anja Köhne fühle sich der gesellschaftlichen Wirklichkeit und ihren Auftragebern verpflichtet. „Aber sie setzt sich damit so auseinander, dass autonome Bilder entstehen.“ Es entstehe in den Fotos also eine künstlerische Realität, die sich gegen Autor und Auftraggeber behaupten müsse.

Entstanden sei eine Bildsprache, die allein Anja Köhne zu verantworten habe. Die aber bewusst auffordere, zu reflektieren. Aus allen Aufträgen habe sie für die Ausstellung jeweils ein Foto ausgewählt. Zuvor hatte die Künstlerin die Auftraggeber um ein gerahmtes Bild aus dem eigenen Zuhause gebeten. „Sie hat dann ihr Bild gegen das mitgelieferte ausgetauscht“, erklärte der Kurator.

In Menschen hineingedacht

Für die Ausstellung wurden die Rahmen wie ein Patchwork auf dem Boden ausgelegt. Nach der Bilderschau wandern alle Rahmen zurück in Willingshäuser Wohnungen. An den Wänden zeigt Anja Köhne selbstbestimmte Motive.

„Wie sehr sie sich dabei in den Ort und die Menschen hineingedacht hat, zeigen am deutlichsten ihre Selbstporträts, in denen sie sich nach Schwälmer Art – mit Schnatz und zwei Wurstkringeln um den Hals – inszeniert“, verdeutlichte Balkenhol. Anja Köhne hat sich in Willingshausen sehr wohl gefühlt: „Ich danke für die Gastfreundschaft und Offenheit, die ich hier gespürt habe.“

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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