Weinberg muss rund ums Jahr gepflegt werden 

Rebschnitt am Böddiger Berg: Platz für frische Triebe 

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Viel Arbeit: Karl Angersbach schneidet unfruchtbare Triebe an den Weinstöcken ab. Für jede Reihe braucht er vier Stunden – etwa 50 Reihen Weinstöcke stehen am Böddiger Berg.

Böddiger. Am Böddiger Berg gibt es nicht nur im Herbst bei der Weinlese viel zu tun: Der Weinberg muss rund ums Jahr gepflegt werden. 

Es ist kühl und feucht am Böddiger Berg, die Sonne versteckt sich hinter grauem Dunst. Kein einladendes Wetter, aber Karl Angersbach stapft trotzdem, bewaffnet mit einer Rebschere, zwischen den Rebstöcken umher. Vor drei Monaten haben 70 Freiwillige die Trauben am Böddiger Berg geerntet. Jetzt muss sich Angersbach um den Rebschnitt kümmern – allein. Der 74-Jährige hat jede Menge Arbeit vor sich.

Etwa 5000 Rebstöcke stehen auf den 1,4 Hektar Fläche am Böddiger Berg, sie bilden um die 50 Reihen. „Für jede Reihe brauche ich etwa vier Stunden“, sagt Angersbach. 200 Stunden ist er also insgesamt mit dem Rebschnitt beschäftigt.

„Vor dem nächsten Austrieb muss ich fertig sein“, erklärt Angersbach. Meist brechen die Knospen im April auf. 2017 war es aufgrund der milden Temperaturen im März sogar schon früher soweit. Doch das rächte sich: Im April gab es noch einmal Frost. Viele bereits geöffnete Knospen sind dadurch erfroren. „Man kann froh sein, wenn nach so einem Spätfrostjahr überhaupt etwas kommt“, sagt Angersbach.

„Man versucht, immer wieder auf die Basis zurückzukommen“, sagt Angersbach über den Rebschnitt. Die Basis, das ist der Stamm des Weinstocks. So verhindert man, dass die Triebe sich immer weiter verzweigen und damit auch dünner und schwächer werden.

An jedem Rebstock schneidet Angersbach die meisten Triebe ab – nur ein bis drei pro Stock lässt er stehen. Denn ein Großteil der Triebe sind Wasserschosser. Ein Wasserschoss treibt aus dem alten Holz des Rebstocks aus und ist kaum fruchtbar. Aber: Aus einem Wasserschoss kann wiederum ein fruchtbarer Trieb austreiben. Deshalb schneidet Angersbach manche Wasserschosser nicht ganz ab, sondern lässt ein daumenlanges Stück – einen Zapfen – stehen. An einigen Weinstöcken findet Angersbach keinen einzigen tragfähigen Trieb, dies ist wohl auch eine Folge des Spätfrostes im Vorjahr. Wie man einen Weinberg pflegt, hat Karl Angersbach von seinem Vater Georg Angersbach gelernt, der in den 1950er-Jahren anfing, am Böddiger Berg Wein anzubauen. Karl Angersbach wuchs auf dem Weingut auf. Als der Förderverein Böddiger Berg die Bewirtschaftung des Weinbergs übernahm, kümmerte sich Angersbach weiter um die Pflege des Weinbergs.

Bis 2013 habe er alle anfallenden Arbeiten selbst erledigt, sagt Karl Angersbach. Inzwischen aber wird er von einem Mitarbeiter der Stadt Felsberg unterstützt. Langfristig werde sich der Förderverein Böddiger Berg ohnehin Gedanken über einen Nachfolger für ihn machen müssen, sagt Angersbach: „Ich bin schließlich 74 Jahre alt.“ Erst einmal aber macht er weiter – genug zu tun gibt es schließlich.

Quelle: HNA

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