Viermal im Jahr erscheint in der Justizvollzugsanstalt die Gefangenenzeitung „Das Schloss“

Recherche hinter Gittern

Ziegenhain. Wolfgang Arns ist Knastreporter – einer, der tief im Thema steckt: Der 47-Jährige sitzt seit immerhin 18 Jahren im Gefängnis. In seiner Redaktion hinter Gittern und dicken Mauern kämpft der verurteilte Mörder mit veralteter technischer Ausstattung und schwierigen Recherchen. Trotz der widrigen Umstände erscheint in der Ziegenhainer Justizvollzugsanstalt viermal im Jahr die Gefangenenzeitung.

Als Hingucker kann „Das Schloss“ nicht punkten. Es ist ein eher schlichtes, gebundenes, circa 50-seitiges Heft in einer Auflage von knapp 400 Exemplaren. Gedruckt wird in schwarz-weiß. Fotos sind selten – das scheitere an der mangelhaften Technik, erklärt der gebürtige Rheinländer, der auch der Gestalter des Blattes ist. Bilder können häufig nur verzerrt oder gar nicht gedruckt werden. Produziert wird die Zeitung von Gefangenen, mitbestimmt allerdings von der Gefängnisleitung.

In der Redaktion hat Arns drei weitere Kollegen und ein Helferteam an seiner Seite. Korrespondenten gebe es quasi in jeder Abteilung des Gefängnisses, erzählt Arns. Bis zu zehn Stunden wöchentlich investieren die Zeitungsmacher hinter Gittern in eine Ausgabe. Sie arbeiten nicht nur ehrenamtlich, das Redaktionsteam bekomme für seine Arbeit einen kleinen Obolus, sagt Arns. Ganz selbständig ist die Knastredaktion nicht: Die Zusammenarbeit mit den beiden Redaktionsbeamten Frank Pittich und Helmut Keil ist Pflicht.

Sicherungsverwahrung, Resozialisierung, juristische Bewertungen: Ideen für ihre Ausgaben haben die Macher des „Schloss“ genug. „Wir sind diejenigen, die die Gefängnis-themen transportieren, denn nur wenige haben hier privat eine Zeitung.“

Die Recherche der Redaktionsmannschaft gestaltet sich allerdings schwierig. Der Griff mal schnell zum Telefon ist nicht möglich. Die beiden Rechner sind mit einem eher antiquiert anmutenden Betriebssystem ausgestattet. Internet für die Gefangenen ist tabu. Im Notfall unterstützen da die beiden Redaktionsbeamten.

Den Vorwurf, die Gefangenenzeitung werde zensiert, mag Anstaltsleiter Jörg Bachmann nicht hören. Als Herausgeber wird er im Impressum genannt, einmischen will er sich eigentlich nicht: Dennoch gebe es Grenzen, wenn es um Stimmungsmache gegen Mitarbeiter des Gefängnisses und Insassen gebe.

Grund zur Sorge, dass es zu häufigem Wechsel im Redaktionsteam komme, müssen die Knastreporter nicht haben. Schließlich sind sie zu langen Haftstrafen verurteilt, einige zählen zudem zu den Sicherungsverwahrten. Wolfgang Arns allerdings könnte dem Schloss bald Ade sagen: Er hat seine Zeit im Gefängnis genutzt, seinen Realschulabschluss nachgeholt und inzwischen einen Meisterbrief in der Tasche. Nun hofft er nach dem Übergang in eine sozialtherapeutische Anstalt auf ein Leben mit seiner Frau und seinen Kindern – in Freiheit.

Von Sylke Grede

Quelle: HNA

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